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Biologische Vielfalt ist gut für dich!

Ganz im Gegensatz zu dem, was die meisten denken, ist biologische Vielfalt nicht nur ganz nett. Sie ist vielmehr die Grundlage für menschliches Leben und eine nachhaltige Entwicklung. Denn die Nahrungsmittelproduktion hängt direkt von einer Vielfalt von Pflanzen und Tieren ab. Eine Kolumne des DIE.

Quinoa ist seit 7000 Jahren Kulturpflanze, es gibt eine Vielzahl verschiedener Sorten. (Foto: Biodiversity International /D. Astudillo, CC BY-NC-ND 2.0)
 

Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) stammen 82 Prozent der Kalorien und 60 Prozent des Proteins, die wir konsumieren, von verschiedensten Pflanzen. Fast 75 Prozent der Kulturpflanzen sind abhängig von Bestäubern, meist Bienen, die den Ertrag und die Qualität garantieren. Darüber hinaus spielt biologische Vielfalt eine wichtige Rolle für die Gesundheit der Menschen. Biologische Vielfalt und funktionierende Ökosysteme versorgen Menschen mit frischem Wasser, mindern die Folgen von Überflutungen und Krankheiten und liefern die Grundlage für die Entwicklung von Medikamenten. Schätzungsweise vier Milliarden Menschen nutzen Produkte der Naturmedizin und 70 Prozent der heutigen Medikamente gegen Krebs sind natürlichen Ursprungs oder zumindest von der Natur inspiriert. Der Internationale Tag der Biologischen Vielfalt, der am 22. Mai gefeiert wird, steht unter dem Motto „Biodiversität, unsere Nahrung, unsere Gesundheit” und soll uns an all das erinnern.


Diversitätskiller Mensch

Dennoch sinkt die biologische Vielfalt in einem alarmierenden Tempo. Der jüngste Globale Bericht zur Artenvielfalt des Weltbiodiversitätsrates (IPBES), der vor zwei Wochen in Paris der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, legt schockierende Beweise für diese Entwicklung vor. Ungefähr eine Million Arten stehen kurz vor dem Aussterben und viele mehr sind ernsthaft bedroht. 145 Experten aus 50 Ländern haben in den vergangenen drei Jahren gemeinsam an diesem Bericht gearbeitet. Sie haben systematisch mehr als 15.000 wissenschaftliche und politische Dokumente ausgewertet. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass der in diesem Ausmaß unvergleichbare Verlust auf den Menschen zurückzuführen ist. Veränderungen bei der Nutzung von Land und Meeren, direkte Ausbeutung von natürlichen Ressourcen, der Klimawandel, die Verschmutzung zu Lande und in den Meeren und invasive Arten tragen alle direkt zum Verlust der Biodiversität bei. Der Bericht belegt auch, dass die Landwirtschaft durch den Anbau von Kulturpflanzen und die Haltung von Nutztieren, allein ein Viertel der gesamten Erdoberfläche und drei Viertel der verfügbaren Frischwasserressourcen verbraucht. Zwischen 1990 und 2015 wurden 290 Millionen Hektar der Wälder gerodet und nur 110 Millionen Hektar wurden wieder – meist auch noch mit Monokulturen - aufgeforstet. Bereits 33 Prozent der Meeresfischbestände sind überfischt und die Verschmutzung des Wassers durch Plastik, Schwermetalle, Lösungsmittel, toxische Schlämme und Dünger ist rapide angestiegen.

Seit mehreren Jahren werden weltweit Bemühungen unternommen, die biologische Vielfalt zu schützen, bislang leider ohne großen Erfolg. Trotz zahlreicher Erklärungen und Konferenzen werden die internationalen Ziele zum Schutz der Biodiversität, die so genannten Aichi-Ziele, welche im Rahmen der Konvention über Biologische Vielfalt festgelegt wurden, bis zur vereinbarten Frist 2020 nicht erreicht werden. Im kommenden Jahr treffen sich die 196 Mitgliedstaaten der Konvention in der chinesischen Hauptstadt Peking. Es wird erwartet, dass sich die Regierungen auf eine neue Strategie und neue Ziele einigen werden, mit denen der Verlust der Biodiversität aufgehalten werden soll. Bei der Vorbereitung auf diese wegweisende Konferenz müssen politische Entscheidungsträger die Bedeutung biologischer Vielfalt auch für andere Entwicklungsziele (wie z. B. Bekämpfung von Hunger und Armut oder Förderung der Gesundheit), die im Rahmen der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen vereinbart wurden, im Auge behalten.


Vielfalt vernetzen

Durch die Berücksichtigung biologischer Vielfalt in anderen Politikfeldern und deren Strategien, wie zum Beispiel Pläne für nachhaltige Entwicklung, Agrar- sowie Klimastrategien, können Synergien genutzt werden. So zielt zum Beispiel das EU-LIFE-Projekt “Biodiversität in den Standards und Labels der Lebensmittelindustrie” darauf ab, biologische Vielfalt durch die Einführung von Standards und Labels in der Lebensmittelbranche zu schützen. Weitere Synergien können zum Beispiel durch Maßnahmen genutzt werden, die auf eine Verbesserung des Bodens und der Lebensräume abzielen. Bessere Böden sichern die Bereitstellung von Nahrungsmitteln und Wasser und wirken sich so positiv auf die Gesundheitssituation der Menschen aus. Weiterhin können sie sogar helfen, Konflikte zu vermeiden und Migration einzudämmen. Zum Beispiel kann eine nachhaltige Landwirtschaft die negativen Auswirkungen der Agrarproduktion auf Böden und Biodiversität verringern und gleichzeitig die Sicherheit der Nahrungsmittelproduktion aufgrund höherer Erträge steigern.

Biodiversität schafft einen sicheren Raum für eine nachhaltige Entwicklung, insbesondere im Hinblick auf Ernährung und Gesundheit. Durch biologische Vielfalt kann die Gesellschaft einen Weg für die Bekämpfung des Klimawandels finden. Gleichzeitig lassen sich dadurch die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ernährungssicherheit und die Gesundheit abschwächen. Deshalb ist es heute mehr als je zuvor von entscheidender Bedeutung, gegen die Ursachen des Verlusts an Biodiversität vorzugehen, ansonsten wird die Menschheit deutlich daran erinnert, dass man Geld nicht essen kann.


Dieser Text erschien zuerst in "Die Aktuelle Kolumne" des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE), wo Dr. Carmen Richerzhagen und Dr. Jean Carlo Rodríguez de Francisco als wissenschaftliche Mitarbeiter tätig sind. Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem DIE veröffentlichen wir Kolumnen mit UN-Bezug auch auf den Portalen der DGVN.


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