Menü

Die DGVN trauert um Javier Pérez de Cuéllar

Javier Pérez de Cuéllar, der fünfte Generalsekretär der Vereinten Nationen, ist gestern im Alter von 100 Jahren verstorben. In seinen zwei Amtszeiten als Generalsekretär (1982 bis 1991) hat er die UN durch eine angespannte Haushaltslage und ein turbulentes Jahrzehnt geführt.

UN Photo/Yutaka Nagata

In einer Erklärung am Mittwochabend sagte der amtierende UN-Generalsekretär António Guterres, dass er über die Nachricht zutiefst betrübt sei und lobte de Cuéllar als „einen versierten Staatsmann, einen engagierten Diplomaten und eine persönliche Inspiration, die einen tiefen Einfluss auf die Vereinten Nationen und unsere Welt hinterlassen hat“.

Im Jahr 1982 begann seine Amtszeit als UN-Generalsekretär mit intensiven Verhandlungen im Zuge des Falklandkrieges zwischen Großbritannien und Argentinien über die umstrittene Souveränität der Falklandinseln/Malvinas. Trotz der unzähligen Herausforderungen brachte de Cuéllar einen inzwischen berühmten Satz hervor, der sich auf die Friedensgespräche bezog: „Der Patient liegt auf der Intensivstation, aber er lebt noch.“  

Trotz gesundheitlicher Probleme stimmte er einer zweiten Amtszeit als UN-Generalsekretär zu, während die UN eine Finanz- und Liquiditätskrise zu dieser Zeit durchlebten. Er bekräftigte seinen „unerschütterlichen Glauben“ an die „dauerhafte Gültigkeit“ der Organisation und fügte hinzu, dass die „schwierige Situation“ der UN eine „kreative Gelegenheit für Erneuerung und Reform“ bietet.

Vor dem Hintergrund des weltpolitischen Umbruchs in den Jahren 1989/1990 erlebte die Organisation unter de Cuéllars Führung aber auch eine Renaissance, die sich unter anderem in einer dramatischen Zunahme von UN-Blauhelmeinsätzen niederschlug. In bestimmten Konflikten gelang es den UN unter seiner Leitung, erfolgreich Frieden zu stiften, zum Beispiel bei der Unabhängigkeit Namibias, bei der Beilegung des Iran-Irak-Konflikts und der Beendigung des Bürgerkrieges in Kambodscha. Diese Erfolge waren richtungsweisend für die spätere Definition der Rolle der Vereinten Nationen in der Welt.

Auch lange nachdem seine Amtszeit als Generalsekretär im Jahr 1991 endete, blieb er den Werten der UN treu und setzte sich zeitlebens für Frieden, Gerechtigkeit und die Menschenrechte ein. Er wurde von rund 25 Ländern ausgezeichnet und erhielt mehrere Ehrendoktorwürden. Die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen trauert um einen großen Weltbürger.


Das könnte Sie auch interessieren


  • Ernüchterung, Erfolg, Erleichterung

    Zur Amtszeit von Javier Pérez de Cuéllar ( 1982-1991 )Ernüchterung, Erfolg, Erleichterung

    01.02.1992
    Zu Beginn seiner Amtszeit als Generalsekretär der Vereinten Nationen erlebte Javier Pérez de Cuéllar eine demütigende Niederlage in Lateinamerika; mit einem strahlenden Sieg in El Salvador gelang es ihm zehn Jahre später, die Fackel standesgemäß an… mehr

  • Zentrale Stellung der Weltorganisation im internationalen System wird anerkannt

    Bericht des Generalsekretärs über die Tätigkeit der Vereinten Nationen an die 46.GeneralversammlungZentrale Stellung der Weltorganisation im internationalen System wird anerkannt

    01.12.1991
    Das Berichtsjahr fällt in einen Zeitabschnitt, in dem sich eine große geschichtliche Wende vollzogen hat. Selbst währenddem dieser Bericht noch geschrieben wird, verändern die Ereignisse die politische Landkarte eines großen Teils der nordeurasischen… mehr

  • Anzeichen für eine neuerliche Anerkennung der Vereinten Nationen

    Bericht des Generalsekretärs über die Arbeit der Organisation an die 42. GeneralversammlungAnzeichen für eine neuerliche Anerkennung der Vereinten Nationen

    01.10.1987
    Inmitten fortdauernder regionaler Zerwürfnisse und wirtschaftlicher und sozialer Notstände hat es im vergangenen Jahr Anlässe gegeben, bei denen sich unter den Nationen eine größere Solidarität bei der Auseinandersetzung mit schwerwiegenden Problemen… mehr