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Ein Ergebnis des Klimaabkommens: Verstärkte Aufforstung in Kenia

„Dieses Programm beinhaltet die kohärentesten und systematischsten Anstrengungen, um degradierte Wälder und andere Landschaften wiederherzustellen. Es eröffnet uns die Möglichkeit, Armut abzubauen, die Ernährungssicherheit zu erhöhen, dem Klimawandel entgegenzutreten und unsere hochgeschätzte biologische Vielfalt zu bewahren.“ So stellte im September 2016 die kenianische Umweltministerin Judy Wakhungu das ambitionierteste Wiederaufforstungsprogramm in der Geschichte ihres Landes vor.

Zwei Waldarbeiter fällen mit einer Kettensäge ohne jegliche Schutzbekleidung einen großen Baum
Durch das Fällen von Millionen Bäumen haben die Waldbestände Kenias dramatisch abgenommen. Das soll sich nun ändern. Foto: IRIN/Charles Akena

So stellte im September 2016 die kenianische Umweltministerin Judy Wakhungu das ambitionierteste Wiederaufforstungsprogramm in der Geschichte ihres Landes vor. Bis 2030 sollen 5,1 Millionen Hektar zerstörter Waldgebiete und anderer degradierter Flächen aufgeforstet werden. Die Fläche entspricht der Größe von Costa Rica.

In den letzten Jahrzehnten wurden in Kenia so viel Bäume für die Schaffung von Ackerflächen, die Holzgewinnung und die Herstellung von Holzkohle vernichtet, dass die verbliebenen Wälder nur noch 7 % der Landfläche bedecken. Um das zu ändern, will die Regierung auch Nichtregierungsorganisationen und die lokale Bevölkerung in die Vorhaben einbeziehen. Die Aufforstungsprogramme sollen zugleich wesentlich dazu beitragen, dass Kenia sein Ziel erreicht, die klimaschädlichen Emissionen bis 2030 um 30 % zu vermindern.

Der lange Weg bis zur neuen Aufforstungspolitik

Von den 1970er Jahren an engagierte sich die kenianische Umweltschützerin Wangari Maathai für einen Stopp der Waldzerstörung und eine systematische Wiederaufforstung. Sie setzte ihr Engagement trotz massiver Bedrohungen durch Holzkonzerne und lokale Politiker fort und fand vor allem unter den kenianischen Frauen viele Verbündete, um die Waldgebiete zu verteidigen und Millionen neue Bäume zu pflanzen. Wangari Maathai ist 2004 für dieses Engagement mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Sie starb 2011 und konnte deshalb nicht mehr erleben, dass ihre langjährige Überzeugungs- und Bildungsarbeit nun endlich auch politisch Früchte trägt und die kenianische Regierung den Schutz der Wälder und die Wiederaufforstung zu Schwerpunkten ihrer Umweltpolitik macht.

Zwei Frauen stehen eng zusammen, halten eine junge Pflanze in einem Topf in der Hand und lachen
Wangari Maathai, links auf dem Foto, hat viele Tausend Frauen in Kenia dafür gewonnen, Bäume zu pflanzen und sich der Zerstörung der Wälder entgegenzustellen. (UN Photo/Jackie Curtis)

Auch das UN-Umweltprogramm UNEP,  das seinen Sitz in Nairobi hat, engagiert sich seit Jahren mit Studien, Seminaren und Projekten für eine Erhaltung und Ausweitung der kenianischen Waldgebiete. So haben UNEP und Interpol 2016 in einer Studie nachgewiesen, dass Kenia jedes Jahr 70.000 Hektar Wald durch illegale Abholzungsaktionen verliert. Besonders lukrativ ist der Export von Edelhölzern über den Hafen von Mombasa mit gefälschten Dokumenten. Kriminelle Gangs tragen auch dazu bei, dass in großem Stil illegal Bäume gefällt und für die Gewinnung von Holzkohle genutzt werden, die dann landesweit vermarktet wird.

Bereits 2012 waren das UN-Umweltprogramm und die Forstbehörde Kenias in einer gemeinsamen Studie zum Ergebnis gekommen, dass das Land durch den illegalen Holzeinschlag jedes Jahr mehr als 70 Millionen Dollar direkte Einnahmen verliert. Hinzu kommen weit höhere ökologische Kosten, denn die großflächige illegale Abholzung von Waldgebieten vermindert zum Beispiel auch die Neubildung von Grundwasser drastisch, eine Katastrophe für eines der wasserärmsten Länder Ostafrikas. Die Einnahmen aus der Abholzung betragen laut der Studie weniger als ein Viertel des Wertes der ökologischen Schäden.

Der mühsame Weg zur Bewahrung der Wälder

Wie schwierig und trotzdem aussichtsreich es ist, die verbliebenen Wälder zu schützen und neue Bäume zu pflanzen, zeigt sich bei einem gemeinsamen Projekt von UNEP und Forstbehörde Kenias, das von der EU finanziert wird. Der Mau-Wald ist mit mehr als 400.000 Hektar das größte verbliebene Waldgebiet Ostafrikas. Der Wald hat eine überregionale ökologische Bedeutung, weil hier der Mara-Fluß entspringt, der große Naturschutzflächen in Kenia und im benachbarten Tansania mit Wasser versorgt, darunter den berühmten Serengeti-Nationalpark.

Der Wald gilt als wichtigster „Wasserturm“ der Region, weil das Grundwasser die Bäche und Flüsse mit Quellwasser versorgt. Eine Zerstörung des Waldes würde die Neubildung von Grundwasser weitgehend verhindern. Aber seit einigen Jahrzehnten ist der Wald zunehmend durch Siedler bedroht, die große Flächen roden, um Ackerland zu gewinnen.

Eine Frau steht stolz mit einem kleinen Bäumchen in der Hand auf dem Feld und lacht in die Kamera
Diese Bäuerin beteiligt sich an einem Baumpflanzprogramm im Mau-Waldgebiet, das von kenianischen Regierungsstellen in Zusammenarbeit mit dem UN-Umweltprogramm und der EU initiiert worden ist. Dieses Foto wurde im Rahmen eines UN-Fotowettbewerbs zum Thema Wälder mit einem Preis ausgezeichnet. (UN Photo/Riccardo Gangale)

Im Rahmen des Projektes wird nun versucht, die lokale Bevölkerung für die Walderhaltung und Wiederaufforstung zu gewinnen. Dafür werden Beschäftigungsmöglichkeiten bei der nachhaltigen Nutzung der Wälder und beim Pflanzen von Setzlingen geschaffen. So werden zum Beispiel Frauengruppen dabei beraten und unterstützt, Briketts aus Blättern und Altpapier und nicht mehr aus Holzkohle herzustellen und zu vermarkten. Auch mit der Bienenzucht lassen sich Einkommen jenseits von illegaler Abholzung erzielen.

Trotz erster Erfolge gehen Abholzung und rücksichtslose Holzkohlegewinnung im Mau-Wald weiter. Die langen Dürreperioden der letzten Jahre veranlassen immer mehr kenianische Familien, im Mau-Wald eine neue Existenzgrundlage zu suchen. Sie sehen sich durch lokale Politiker bestärkt, die die Walderhaltung und Wiederaufforstung bekämpfen, weil sie sich auf diese Weise die Unterstützung durch die Siedler sichern wollen. Sie versprechen ihnen, dass sie auf keinen Fall aus dem Wald vertrieben werden und schaffen so Anreize für weitere Familien, sich dort anzusiedeln.

Das Pariser Klimaabkommen schafft neue Perspektiven

Dass die Regierung Kenias jetzt beschlossen hat, konsequent bestehende Wälder zu schützen und groß angelegte Aufforstungsprogramme zu initiieren, liegt auch daran, dass sie seit der Verabschiedung des Klimaabkommens von Paris gute Aussichten hat, solche Vorhaben dauerhaft zu finanzieren.

Eine nachhaltige Nutzung der Wälder und des Holzes könnte laut UNEP zu einer Reduzierung der klimaschädlichen Emissionen Kenias um mehr als ein Viertel führen. Deshalb kann das Land im Rahmen des REDD+-Programmes des UN-Klimaabkommens mit beträchtlichen Finanzmitteln rechnen. Durch REDD+ erhalten Entwicklungsländern Gelder aus dem internationalen Emissionshandel für eine Bewahrung und nachhaltige Nutzung der Wälder sowie die Speicherung von CO2 in Wäldern.

Menschen und Tiere stehen unter einem Baum, alles liegt in einerm dichten, hellen Schleier
Damit Sandstürme nicht weiterhin über das Land fegen, muss Kenia systematisch seine Bäume erhalten und auch die übrige Vegetation vor Raubbau schützen. Dafür stehen nun endlich ausreichende Finanzmittel aus dem Ausland in Aussicht. (UN Photo/Rai Witlin)

Kenia wird diese Einnahmen nicht nur in den direkten Schutz der Wälder, sondern auch in erneuerbare Energien investieren. Dies ist eine drängende Aufgabe, wenn Klima und Wälder geschützt werden sollen. Bisher sind Holz und Holzkohle mit einem Anteil von 75 % die weitaus wichtigste Energiequelle der Kenianer. Solange noch Holzkohle verwendet wird, empfiehlt das UN-Umweltprogramm verbesserte Methoden bei deren Herstellung, um so einen dreifachen Wirkungsgrad zu erzielen. Durch die Verwendung neuer Öfen lassen sich die CO2-Emissionen noch weiter vermindern, und gleichzeitig sinken die Gefahren durch Rauch.

Zu erwähnen ist auch, dass Kenia inzwischen Anstrengungen zum Schutz der Mangrovenwälder an der Küste des Landes unternimmt, die in den letzten drei Jahrzehnten um ein Fünftel geschrumpft sind. Die Erhaltung und das Pflanzen neuer Mangroven dienen dem Klima, dem Küstenschutz und der Sicherung des Fischreichtums, weil die Jungfische im Schutz der Mangroven aufwachsen.

Kenia hat gute Aussichten, den Klimaschutz mit Wirtschaftswachstum und der Schaffung neuer Arbeitsplätzen zu verbinden. Zwei wichtige Voraussetzungen sind, dass engstirnige Lokalpolitiker diese Initiativen nicht torpedieren und dass die Industrieländer die zugesagten Finanzmittel bereitstellen, die erst das Klimaabkommen von Paris mit Leben füllen werden.

Frank Kürschner-Pelkmann


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