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Finanzierung des UN-Systems

Das komplexe System der Vereinten Nationen wird aus unterschiedlichen Beitragsarten durch die UN-Mitgliedstaaten finanziert, die die Arbeit der Weltorganisation gewährleisten sollen. Die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die unterschiedlichen Finanzierungsarten der UN zu dokumentieren und zu analysieren. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf den Finanzbeiträgen Deutschlands an das UN-System. Die Dokumentation wird derzeit überarbeitet.

Foto: UN Photo/Rick Bajornas

Die Generalversammlung entscheidet im Zwei-Jahres-Rhythmus (ab dem Jahr 2020 jährlich) über die Höhe des Budgets und die Pflichtbeiträge, die sich nach einem bestimmten, von der Generalversammlung beschlossenen Verteilungsschlüssel richten. Zur Bestimmung des Verteilungsschlüssels zieht die Generalversammlung den Anteil des jeweiligen Staates am Bruttonationaleinkommen und die Zahlungsfähigkeit heran. Damit die UN finanziell nicht in die Anhängigkeit eines einzelnen Staates geraten, wurde die Obergrenze von 22 Prozent festgelegt. Eine Untergrenze von 0,001 Prozent schützt die am wenigsten entwickelten Mitgliedstaaten vor einer zu hohen Belastung.

Das komplexe UN-System wird aus zwei Beitragsarten finanziert:

  1. den Pflichtbeiträgen zum ordentlichen Haushalt der UN, zum ordentlichen Haushalt der Sonderorganisationen und den sogenannten Pflichtbeitragsumlagen zur Finanzierung der UN-Friedensoperationen
  2. den freiwilligen Beiträgen an die UN-Programme, Fonds und Sonderorganisationen.

Der Finanzbeitrag für UN-Friedensoperationen berechnet sich nach einem Sonderschlüssel. Die Generalversammlung orientiert sich zwar am regulären Beitrag, verrechnet für die fünf Ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats (P5) aber einen prozentual höheren und für die wenig entwickelten Staaten einen niedrigeren Anteil.

Vereinte Nationen

Es existiert kein einheitlicher, umfassender Haushaltsplan der UN. Bei der Finanzierung der Vereinten Nationen wird vielmehr zwischen Pflichtbeiträgen der Mitgliedstaaten (ordentlicher Haushalt), Pflicht Beitragsumlagen und den Haushalten der UN-Spezialorgane differenziert. 

Ordentlicher Haushalt

Bei dem ordentlichen Haushalt handelt es sich um Pflichtbeiträge der Mitgliedstaaten an das System der Vereinten Nationen. Diese Pflichtbeiträge machen den größten Teil des Haushalts der Weltorganisation aus. Sie können von Staat zu Staat variieren und hängen von der wirtschaftlichen Stärke der Länder ab. Deutschland ist mit einem Beitrag von 6,4% der viertgrößte finanzielle Beitraggeber. 


Friedensoperationen

Die Beitragsumlagen sind ebenfalls Pflichtbeiträge, die allerdings lediglich der Finanzierung von Friedensoperationen dienen. Für jede UN-Friedensoperation wird ein gesonderter Haushalt aufgestellt. 


Haushalte der UN-Spezialorgane

Die Aktivitäten der UN-Speziaorgane, wie dem UNHCR, UNDP, WFP etc. werden meist über freiwillige Beitragsleistungen der Mitgliedstaaten finanziert. 

Gesamtdarstellungen 

In der Tabelle werden Beitragssätze für Deutschland aufgeführt, das- nach den USA, Japan und China - seit 2016 der viertgrößte Pflicht-Beitragszahler ist. Diese Reihenfolge gilt jedoch nur für den ordentlichen UN-Haushalt (rot). Für die UN-Friedensoperationen, an denen Deutschland mit dem gleichen Beitragssatz beteiligt ist, rückt Japan nach den USA und China an die dritte Stelle, gefolgt von Deutschland als viertgrößtem (Pflicht-)Beitragszahler, das knapp vor Frankreich liegt. 

Ausgewählte UN-Fonds und -Programme

UNCDF – Kapitalentwicklungsfonds der UN

UNHSP – Programm der UN für menschliche Siedlungen

UNCTAD – Handels- und Entwicklungskonferenz der UN

UNDP – Entwicklungsprogramm der UN

UNEP – Umweltprogramm der UN

UNFPA – Bevölkerungsfonds der UN

UNHCR – Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der UN

UNICEF – Kinderhilfswerk der UN

UNITAR – Ausbildungs- und Forschungsinstitut der UN

UNRWA – Hilfswerk der UN für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten

UNU – Universität der UN

WFP – Welternährungsprogramm

UNAIDS – Gemeinsames Programm der UN für HIV/Aids

OCHA – Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten

Gesamtdarstellungen

Die Sonderorganisationen der Vereinten Nationen

Sonderorganisationen (Specialized Agencies) sind laut UN-Charta  zwischenstaatliche internationale Organisationen, die mit den Vereinten Nationen durch einen Vertrag gemäß Artikel 63 der UN-Charta in Beziehung gebracht werden, um die in Artikel 55 der UN-Charta genannten Ziel der Vereinten Nationen zu fördern.

Insgesamt gibt es 17 Sonderorganisationen, die gemäß Artikel 57 und 63 der UN-Charta mit den Vereinten Nationen in Beziehung stehen. Darunter fallen beispielsweise der Weltpostverein (Universal Postal Union), die Internationale Fernmeldeorganisation (International Telecommunication Union), die International Arbeitsorganisation (World Labour Organisation), die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisation), die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation), die Welttourismusorganisation (World Tourism Organisation) und viele mehr. 

Man unterscheidet bei den Sonderorganisationen zwischen drei Kategorien:

  1. Sonderorganisationen in einem breit definierten sozio-ökonomischen, kulturellen oder humanitären Bereich (FAO, ILO, UNESCO, UNIDO, WHO);
  2. technische Sonderorganisationen (ICAO, IMO, ITU, UPU, WIPO, WMO);
  3. Währungs- und Finanzorganisationen (IMF, IBRD, IFC, IDA, IFAD).

Finanzierungsmodi- und Quellen

Die Finanzmittel der Sonderorganisationen werden überwiegend aus drei Quellen gespeist:

  1. Die ordentlichen Haushalte, die sich aus den Beiträgen der Mitgliedstaaten zusammensetzen;
  2. Die freiwilligen Beitragsleistungen der Mitgliedstaaten an Spezialorgane;
  3. Freiwillige, zum größten Teil projektgebundene Beitragsleistungen von einzelnen Mitgliedstaaten und - zunehmend - von privaten NGOs, Stiftungen sowie Unternehmen an einzelne Sonderorganisationen.

In den meisten Organisationen erfolgt die Finanzierung durch Mitgliedsbeiträge. Die Mitglieder sind verpflichtet, sich nach einem bestimmten Schlüssel jährlich an den Kosten der Sonderorganisationen zu beteiligen. Dieser Schlüssel ist von Organisation zu Organisation unterschiedlich, da er von der Gesamtmitgliederzahl abhängt.