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Friedensnobelpreise für die Vereinten Nationen

Die Erhaltung des Welt­friedens ist die wichtigste Aufgabe der Vereinten Nationen. Artikel 1 der Charta legt das übergeordnete Ziel fest, "Bedrohungen des Friedens zu verhüten und zu beseitigen". Für ihre Bemühungen wurden die UN und Mitglieder der UN-Familie mehrfach mit dem Friedens­nobelpreis ausgezeichnet. Insgesamt erhielten acht Organisationen und neun Einzel­personen aus dem Umfeld der Vereinten Nationen den wichtigsten Friedens­preis der Welt.

2013 – Organisation für das Verbot chemischer Waffen

© OPCW
OPCW

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons, OPCW) wurde für ihre "umfassenden Bemühungen zur Vernichtung chemischer Waffen" mit dem Friedens­nobelpreis ausgezeichnet, wie es in der Begründung des Nobel­preis­komitees hieß. Die autonome Organisation, die durch enge vertragliche Verbindungen an die Vereinten Nationen angeschlossen ist, wacht über die Einhaltung der Chemie­waffen­konvention. Kurz vor der Aus­zeichnung war sie durch den Bürger­krieg in Syrien in den Blickpunkt geraten, wo sie nach Gift­gas­angriffen für die Vernichtung der Chemie­waffen­bestände verantwortlich war.

 

2007 – Intergovernmental Panel on Climate Change

UN Photo/Rick Bajornas
UN Photo/Rick Bajornas

Der häufig als Weltklima-Rat bezeichnete IPCC wurde gemeinsam mit dem ehemaligen US-Vize­präsidenten Al Gore für den Einsatz zur weltweiten Mobilisierung gegen eine drohende Klima­katastrophe ausgezeichnet. "Gore und der IPCC haben schon sehr früh die Gefahren der globalen Klima­änderung erkannt. Wir möchten mit unserer Entscheidung die Aufmerksamkeit für dieses Thema weiter erhöhen", erklärte das norwegische Nobel­komitee.

Der IPCC wurde im Jahr 1988 vom UN-Umwelt­programm und der Welt­organisation für Meteorologie ins Leben gerufen, um Entscheidungs­trägern und anderen Interessierten eine objektive Informations­quelle über Klima­änderungen zur Verfügung zu stellen. Alle fünf bis sechs Jahre stellt das Gremium Berichte vor, in denen es vorhandene Daten zusammenträgt, sie analysiert und Empfehlungen abgibt. Diese dienen als wissenschaftliche Grundlage für die internationale Klima­politik. Mit der Veröffentlichung des vierten Welt­klima­berichts in 2007 rückte das Gremium die möglichen ökologischen und ökonomischen Folgen des Klima­wandels erneut ins öffentliche Bewusstsein. Durch die Vergabe des Preises an den IPCC machte das Nobel­komitee deutlich, dass der Klima­wandel auch eine Bedrohung für den Welt­frieden darstellt.
 

2005 – Internationale Atomenergie-Organisation und Mohamed El-Baradei

UN Photo/IAEA/Greg Webb
UN Photo/IAEA/Greg Webb

Die Inter­nationale Atomenergie-Organisation (International Atomic Energy Agency, IAEA) und ihr General­direktor Mohamed El-Baradei erhielten im Jahr 2005 den Friedens­nobel­preis für ihren Einsatz gegen den militärischen Missbrauch von Atom­energie und ihre Bemühungen, die friedliche Nutzung so sicher wie möglich zu machen. "In einer Zeit, in der die Bedrohung durch Atom­waffen wieder einmal wächst, will das norwegische Nobel­komitee die Tatsache unter­streichen, dass dieser Bedrohung durch eine möglichst breite Zusammen­arbeit begegnet werden muss", hieß es in der Begründung. Dieser Grundsatz finde heute seinen klarsten Ausdruck in der Arbeit der IAEA.

Die Organisation wurde im Jahr 1957 nach der ersten Genfer Atom­konferenz unter dem Dach der Vereinten Nationen in New York gegründet. Aufgabe der IAEA ist es, einerseits die friedliche und kontrollierte Entwicklung der Kern­energie zu befördern und andererseits die militärische Verbreitung atomarer Waffen aufzuspüren und zu verhindern. Dazu verfügt sie über eigene Laboratorien und Experten­teams und berichtet regelmäßig der General­versammlung und dem Sicherheits­rat der UN, wenn sie eine Gefährdung der internationalen Sicherheit feststellt.
 

2001 – Vereinte Nationen und Kofi Annan

UN Photo/Sergey Bermeniev
UN Photo/Sergey Bermeniev

Im Jahr 2001 ging der 100. Friedens­nobelpreis an die Vereinten Nationen selbst und ihren damaligen General­sekretär Kofi Annan. Begründet wurde die Aus­zeichnung mit dem unermüdlichen Einsatz der UN "für eine besser organisierte und friedlichere Welt". Seit dem Ende des Kalten Krieges sei die Organisation in der Lage gewesen, ihre Möglichkeiten weiter zu entfalten. Sie stehe an vorderster Front bei den Bemühungen um Frieden und Sicherheit sowie bei der internationalen Mobilisierung, um den globalen Heraus­forderungen im wirtschaftlichen, sozialen und im Umwelt­bereich zu begegnen. Kofi Annan habe eine entscheidende Rolle bei der Erneuerung der UN gespielt. Annan hat in seiner Amtszeit von 1997 bis 2006 nicht nur für ein proaktiveres Handeln der UN gesorgt, sondern auch die Millenniums-Entwicklungs­ziele – die Vorgänger der aktuellen Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung – maßgeblich mitgestaltet.
 

1988 – UN-Friedenstruppen

UN Photo/Albert González Farran
UN Photo/Albert González Farran

Die Friedens­truppen der Vereinten Nationen erhielten 1988 den Friedens­nobelpreis für ihre Verdienste bei zahlreichen Einsätzen in Krisen­gebieten und ihr Engagement zur Sicherung des Welt­friedens. Die UN-Blau­helme hätten "unter extrem schweren Bedingungen dazu beigetragen, Spannungen dort zu reduzieren, wo ein Waffen­stillstand ausgehandelt, aber noch kein Friedens­vertrag unterzeichnet wurde", hieß es in der Begründung. 

Das wichtigste Ziel der Vereinten Nationen ist es, "den Welt­frieden und die internationale Sicherheit zu wahren und zu diesem Zweck wirksame Kollektiv­maßnahmen zu treffen". Um diese Aufgabe zu erfüllen, sind die Friedens­truppen seit 1948 im Auftrag des Sicherheits­rats weltweit in Konflikt­regionen im Einsatz. Seitdem haben über eine Million Menschen in den Friedenseinsätzen gearbeitet – im Militär, in Polizei­kontingenten oder als zivile Expertinnen und Experten.

1982 – Alva Myrdal und Alfonso García Robles

UN Photo/Teddy Chen
UN Photo/Teddy Chen

Im Jahr 1982 erhielten die schwedische Sozial­politikerin Alva Myrdal und der ehemalige Außen­minister Mexikos Alfonso García Robles zu gleichen Teilen den Friedens­nobelpreis zuerkannt. Das norwegische Preis­komitee würdigte damit die "zentrale Rolle", die beide Politiker lange Jahre in den Abrüstungs­verhandlungen der Vereinten Nationen gespielt hatten. Alva Myrdal war seit 1962 Chef­delegierte ihres Landes bei der UN-Abrüstungs­konferenz in Genf. Die Sozialdemokratin, die von 1966 bis 1973 auch schwedische Ministerin für Abrüstungs­fragen war, setzte sich insbesondere für eine atom­waffen­freie Zone in Europa ein. García Robles war im Jahr 1967 maßgeblich am Zustande­kommen des Vertrages über eine atom­waffen­freie Zone in Latein­amerika beteiligt. 
 

1981 und 1954 – UNHCR

UN Photo/UNHCR

Der Hohe Flüchtlings­kommissar der Vereinten Nationen und die dazugehörige Organisation (United Nations High Commissioner for Refugees, UNHCR) erhielt bereits zwei Mal den Friedens­nobel­preis. Im Jahr 1954 wurde der UNHCR zunächst für seine bahnbrechende Arbeit zur Unterstützung der europäischen Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg ausgezeichnet. Mehr als ein Viertel­jahrhundert später, im Jahr 1981, ging der Preis erneut an die Organisation, diesmal  für die weltweite Unter­stützung von Flüchtlingen mit besonderer Erwähnung der zahl­reichen politischen Hürden, denen sie begegnen musste. Der UNHCR wurde am 14. Dezember 1950 von der Voll­versammlung der Vereinten Nationen in New York gegründet, um den Flüchtlingen infolge des Zweiten Welt­kriegs Hilfe zu leisten. Heute unterstützt die Organisation weltweit Asyl­suchende, Rück­kehrer und Binnen­vertriebene.
 

1974 – Seán MacBride

UN Photo/Saw Lwin
UN Photo/Saw Lwin

Der Kommissar der Vereinten Nationen für Namibia und Präsident des Inter­nationalen Friedens­büros Seán MacBride erhielt den Friedens­nobel­preis für seine Arbeit im Dienste der Menschen­rechte gemeinsam mit dem japanischen Minister­präsidenten Eisaku Sato. MacBride war Mitbegründer und von 1961 bis 1974 Präsident von Amnesty International. Gleich­zeitig hatte der irische Politiker eine weniger friedliche Vergangenheit: Er war gerade 13 Jahre alt, als er Mitglied der Irish Republican Army (IRA) wurde und begann, für die Un­abhängig­keit seines Landes von Groß­britannien zu kämpfen. Im Jahr 1937 zog er sich jedoch aus der Organisation zurück, um seine politischen Ziele als Rechts­anwalt mit friedlichen Mitteln zu verwirklichen. Nach dem Zweiten Welt­krieg war er als Außen­minister an der Gründung des Europa­rats und an der Vorbereitung der Europäischen Menschen­rechts­konvention maßgeblich beteiligt. Als UN-Kommissar für Namibia war MacBride von 1973 bis 1977 für die Verwaltung des Territoriums verantwortlich, welches bis 1990 von Süd­afrika besetzt wurde.

1969 – Inter­nationale Arbeits­organisation

ILO/Crozet M.
ILO/Crozet M.

50 Jahre nach ihrer Gründung wurde die Inter­nationale Arbeits­organisation (International Labour Organization, ILO) im Jahr 1969 für ihre Aktivitäten zur Ver­besserung der weltweiten sozialen und wirtschaftlichen Ver­hältnisse ausgezeichnet. Die ILO war ursprünglich eine ständige Einrichtung des Völker­bundes mit dem Ziel, den Welt­frieden auf der Grund­lage sozialer Gerechtigkeit zu sichern. Im Jahr 1946 wurde sie zur ersten Sonder­organisation und damit zur ältesten Institution der Vereinten Nationen. In der ILO sind nicht nur Regierungen der Mitglied­staaten vertreten, sondern auch Gewerk­schaften und Arbeit­geber. Gemeinsam handeln sie richtungs­weisende Abkommen und Empfehlungen zur internationalen Standardisierung von Arbeits- und Sozial­normen aus. Weitere Arbeits­felder der ILO sind die arbeits­wissenschaftliche Forschung und Dokumentation sowie die Gewährung von technischer Hilfe an Entwicklungs­länder.

1965 – UNICEF

UN Photo/UNICEF/Marco Dormino
UN Photo/UNICEF/Marco Dormino

Das Kinder­­hilfs­­werk der Vereinten Nationen (United Nations Children's Fund, UNICEF) erhielt den Friedens­­nobel­­preis für seinen uner­müd­lichen Einsatz für das Wohl der Kinder und für die damit verbundene Entwicklungs­­hilfe in allen Teilen der Welt. Die Organisation wurde nach dem Zweiten Welt­­krieg ursprünglich als Provisorium gegründet, um den hungernden und kranken Kindern im verwüsteten Europa so lange zu helfen, bis die größte Not überwunden ist. Im Jahr 1953 wurde sie jedoch zur ständigen Sonder­organisation der UN und startete weltweit große Hilfs­programme. Heute ist UNICEF die bekannteste Kinder­rechts­organisation der Welt. Im Mittel­punkt ihrer Bemühungen stehen lang­fristige Hilfs­programme zum Aufbau einer Grund­versorgung in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Wasser­versorgung und Bildung. Außerdem leistet das Hilfs­werk Sofort­hilfe in Krisen- und Kriegs­gebieten und engagiert sich politisch vor allem gegen die Rekrutierung von Kinder­soldaten.
 

1961 – Dag Hammarskjöld

UN Photo
UN Photo

Der zweite General­sekretär der Vereinten Nationen Dag Hammarskjöld wurde als erster Preis­träger posthum mit dem Friedens­nobel­preis ausgezeichnet. Der erfahrene Diplomat verschaffte der jungen Organisation weltweit Respekt und wird bis heute oft als erfolg­reichster General­sekretär bezeichnet. An Krisen­herden mangelte es zu Beginn seiner Amts­zeit nicht. Als im Jahr 1956 die Krise um den Suez­kanal zu eskalieren drohte, stellte Hammarskjöld binnen weniger Tage eine bewaffnete inter­nationale UN-Truppe auf und schickte sie in den Nahen Osten. Den Nobel­preis erhielt er jedoch für seine Bemühungen um die Beilegung der Kongo­krise: 1961 setzte er sich für eine Friedens­mission mit über 20.000 Blau­helm­soldaten ein, um den beginnenden Völker­mord in der Provinz Katanga zu unterbinden. Im selben Jahr kam Hammarskjöld beim Absturz seines UN-Flugzeugs über dem Kongo ums Leben. Die Hinter­gründe des Unglücks sind bis heute ungeklärt.
 

1957 – Lester Bowles Pearson

UN Photo/MB
UN Photo/MB

Der Kanadier Lester Bowles Pearson, im Jahre 1952 Präsident der General­versammlung der Vereinten Nationen, erhielt im Jahr 1957 den Friedens­nobelpreis für seine Leistungen beim Aufbau inter­nationaler Organisationen zur Friedens­sicherung und seinen Anteil an der friedlichen Lösung des Suez-Konflikts. Als der Konflikt zu eskalieren drohte, entschied die UN-General­versammlung auf Parsons Vorschlag hin, eine internationale Beobachter­gruppe in die Region zu entsenden.
Die United Nations Emergency Force (UNEF) gilt als erste Friedens­mission, da die Vereinten Nationen aufbauend auf diesem Modell auch in andere zwischen­staatliche Konflikte eingegriffen haben. Erst danach fasste der damalige Generalsekretär Dag Hammarskjöld die Kriterien für einen solchen Einsatz zusammen und bezeichnete diesen als Friedens­mission.
 

1950 – Ralph Bunche

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Ralph Bunche wurde 1950 für seine Vermittler­rolle im Nah­ost­konflikt ausgezeichnet. Die Biografie des Preis­trägers enthält eine ganze Reihe von Super­lativen: Er war nicht nur der erste afro­amerikanische Friedens­nobel­preis­träger und gleich­zeitig einer der jüngsten, er promovierte auch als erster Schwarzer US-Bürger in Politologie – und zwar an der Elite­universität Harvard in Cambridge – und er hatte als einer der ersten Afro­amerikaner eine führende Position im Außen­ministerium in Washington D.C. inne. Ab 1946 war er Mitarbeiter der Vereinten Nationen in verschiedenen leitenden Positionen und von 1967 bis 1971 ihr stell­vertretender General­sekretär. Während des Palästina­kriegs (1947-49) agierte er als Chef­vermittler der UN.
 

1945 – Cordell Hull

Cordell Hull war zwischen 1933 und 1944 US-Außen­minister und erhielt den ersten Friedens­nobel­preis nach Ende des Zweiten Welt­kriegs für die diplomatische Vor­bereitung der Gründung der Vereinten Nationen. Auch wenn die wesentlichen Entscheidungen auf dem Weg zur Gründung der UN von führenden Politikern wie Franklin D. Roosevelt, Josef Stalin und Winston Churchill getroffen wurden, so war Hull doch der eigentliche Architekt der neuen Organisation. Roosevelt bezeichnete ihn deshalb auch als "Vater der Vereinten Nationen". Unter anderem stellte er sich gegen den amerikanischen Finanz­minister Henry Morgenthau, der sich zunächst mit der Idee durchsetzte, Deutschland zu isolieren und seine industriellen Möglichkeiten einzuschränken. Cordell diskreditierte den Plan durch seine Kritik soweit, dass er schließlich aufgegeben wurde.