Bougainville: Der nächste unabhängige Staat? - Selbstbestimmung, Extraktivismus und Geopolitik

Im Südpazifik könnte mit der Insel Bougainville in wenigen Jahren ein neuer Staat entstehen, der 194. Mitgliedstaat der Vereinten Nationen. 2019 stimmten in einem Referendum 97,7% der Bevölkerung der Autonomen Region für die Loslösung von Papua-Neuguinea. Das Nationalparlament Papua-Neuguineas wird im Oktober über die Ratifizierung des Referendums abstimmen. Dies könnte einen Übergangsprozess einleiten, an dessen Ende Bougainvilles volle Unabhängigkeit steht. Auch wenn viele Fragen ungeklärt bleiben und der Ausgang des Verfahrens offen ist: der Friedensprozess in Bougainville ist zweifellos eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Internationale Akteure sind nun gefordert, zur Erhaltung des Friedens beizutragen und Bougainvilles möglichen Übergang zum nächsten unabhängigen Staat zu begleiten.
Die Geschichte Bougainvilles ist eng mit der deutschen Kolonialvergangenheit verbunden: Von 1886 bis 1914 gehörte die Insel zu Deutsch-Neuguinea. Bougainvilles Einverleibung in das Deutsche Kolonialreich vor 140 Jahren hat den Grundstein für den späteren Unabhängigkeitskonflikt gelegt. Im Jahre 1949 wurde Bougainville Teil des australischen Mandatsgebiets Papua-Neuguinea, welches 1975 seine Unabhängigkeit erlangte. Zwischen 1988 und 1997 kam es zu einem gewaltsamen Konflikt, bei dem rund 20.000 Menschen ihr Leben verloren. Der Ursprung der Krise lag in den Auseinandersetzungen um den Tagebau der Panguna-Mine, der damals weltweit größten Kupfer- und Goldmine. Die Bundesrepublik Deutschland gehörte zu den wichtigsten Kupferimporteuren. 1989 wurde die Mine aufgrund der Kämpfe geschlossen.
Mit dieser Veranstaltung wollen wir nach zentralen Faktoren im Friedens- und Unabhängigkeitsprozess Bougainvilles fragen, Deutschlands historische Verantwortung hervorheben, den politischen Dialog mit wichtigen Akteuren fördern und die Bundesregierung zu einem aktiven und verantwortungsvollen friedenspolitischen Engagement ermutigen. Wir laden Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft sowie die interessierte Öffentlichkeit ein, zusammen mit hochrangigen Gästen aus Bougainville Perspektiven für die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Insel zu diskutieren.
Die Veranstaltung findet mit deutsch-englischer Simultanübersetzung statt.
PROGRAMM
Wir beginnen um 16:00 mit mehreren Inputs zur Geschichte und aktuellen Situation in Bougainville sowie zur Projektarbeit vor Ort und gehen nach einer kurzen Pause um 18:15 Uhr in eine Paneldiskussion mit dem Titel "Bougainville zwischen Abhängigkeit und Selbstbestimmung".Die Veranstaltung wird ab ca. 19:45 Uhr mit einem Empfang ausklingen.
| 16:00 | Begrüßung Martin Krieg, Brot für die Welt |
| 16:10 | Einführung in die Thematik Prof. Dr. Rafael Biermann, Universität Jena |
| 16:25 | Keynote 1: Die Geschichte des Konflikts und des erfolgreichen Friedensprozesses auf Bougainville James Tanis, Autonome Regierung Bougainville |
| 16:50 | Keynote 2: Der Unabhängigkeitsprozess aus Sicht der Zivilgesellschaft Barbara Tanne, Bougainville Women‘s Federation (tbc) |
| 17:10 | Vorstellung der Arbeit von PaCSIA Dr. Serge Loode, Direktor des Peace & Conflict Studies Institute Australia (PaCSIA) |
| Pause und Austausch | |
| 18:15 | Podiumsdiskussion: Bougainville zwischen Abhängigkeit und Selbstbestimmung
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| 19:30 | Ausblick
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| 19:45 | Empfang im Foyer |
ANMELDUNG
Anmeldung bitte bis zum 30.09.2026 über dieses Anmeldeformular von Brot für die Welt.
Veranstalter
Brot für die Welt
Misereor
Friedrich-Schiller-Universität Jena
in Kooperation mit:
Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. (DGVN)
Pazifik-Netzwerk
Veranstaltungsadresse
Brot für die Welt
Caroline-Michaelis-Str. 1
10115 Berlin
Kontakt
Amelie Overmann (amelie.overmann@brot-fuer-die-welt.de)
Oliver Hasenkamp (hasenkamp@dgvn.de)