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Die DGVN trauert um Klaus Töpfer

Die DGVN trauert um ihr Präsidiumsmitglied Professor Dr. Klaus Töpfer. Mit ihm verlieren wir einen der profiliertesten Mandatsträger Deutschlands in den UN, der die internationale Zusammenarbeit in den Bereichen Umwelt und nachhaltige Entwicklung in vielfältiger Weise geprägt hat.

UN Photo/Eskinder Debebe

Als vormaliger Umweltminister (1987–1994) wurde Töpfer im Jahr 1998 von UN-Generalsekretär Kofi Annan zum Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) bestellt. Dieses modernisierte er in seiner bis 2006 währenden Amtszeit mit großer Leidenschaft und einer ausdrücklichen Entwicklungsorientierung („environment for development“). Unter anderem gilt das von Töpfer ins Leben gerufene Globale Umweltministerforum (GMEF) als Wegbereiter der im Jahr 2014 etablierten UN-Umweltversammlung (UNEA) mit universeller Mitgliedschaft und somit als wesentlicher Beitrag zur nachhaltigen institutionellen Aufwertung des UNEP innerhalb des UN-Systems. Im Rang eines Untergeneralsekretärs fungierte Töpfer als UNEP-Direktor anfänglich in Personalunion auch als Interimsdirektor des heutigen Programms der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen (UN-HABITAT) von 1998 bis 2000. Damals hieß dieses noch United Nations Centre for Human Settlements (UNCHS). Darüber hinaus war er Generaldirektor des UN-Amtssitzes in Nairobi, wo neben den Hauptsitzen des UNEP und Habitat auch eine Vielzahl regionaler UN-Verbindungsbüros angesiedelt sind. Töpfer war dafür prädestiniert, nachdem er ab 1997, ebenfalls im Auftrag des UN-Generalsekretärs und im Kontext von dessen umfassender ‚Erneuerung der Vereinten Nationen‘-Agenda, bereits die Arbeitsgruppe zur Reform der UN-Strukturen in den Bereichen Umwelt und Siedlungswesen leitete.

Als Delegationsleiter der Bundesrepublik hatte Töpfer da bereits maßgeblich zu einem konstruktiven Verlauf des wegweisenden ‚Erdgipfels‘ von Rio de Janeiro, der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung (UNCED) im Jahr 1992, sowie der Habitat-II-Konferenz im Jahr 1996 in Istanbul beigetragen und zwischenzeitlich der in Rio eingerichteten Kommission für Nachhaltige Entwicklung (CSD) vorgesessen. Zentrale Motive waren dabei jeweils das Zusammendenken von Ökologie und Ökonomie und die grundlegende Bedeutung der natürlichen Umwelt für die menschliche Entwicklung und die Bewältigung armutsbedingter Ungerechtigkeiten. Als christdemokratischer Parteipolitiker und promovierter Volkswirt verstand es Töpfer mit seiner fachlichen Autorität und zugleich unprätentiösen Art wie kaum ein anderer, weit über die umweltbewegte Zivilgesellschaft hinaus Resonanz zu finden und auf dem schwierigen Parkett der internationalen Umweltdiplomatie wegweisende Kompromisse zu befördern, so etwa bei der Aushandlung des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz, dem Cartagena-Protokoll zur biologischen Sicherheit und der Stockholmer Konvention über langlebige organische Schadstoffe. Zudem schaffte es das UNEP unter seiner Leitung immer wieder, vermeintliche ökologische Randthemen – wie etwa die Altlasten bewaffneter Konflikte, etwa in Kosovo und in Irak – auf die internationale Agenda zu bringen.

Kritik an der offensichtlichen institutionellen Fragmentierung der UN-Umweltarchitektur begegnete er mit dem ihm eigenen Humor unter dem Verweis auf die „Artenvielfalt“ des UN-Systems. Stattdessen betonte er lieber die damit verbundenen Chancen als über die vermeintlich daraus resultierende Schwäche des kleinen, dem Sekretariat nachgeordneten Umweltprogramms zu lamentieren. Vielmehr brachte er seine fundierten Erfahrungen mit eben jenem UN-System nicht zuletzt in das vom Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC) eingesetzte Unabhängige Beratungsteam ein, das er zusammen mit dem Chilenen Juan Somavía zwischen 2015 und 2017 leitete. Bei dessen Arbeit zur Reform des UN-Entwicklungssystems setzte er sich erneut für die Verbindung von Umwelt und Entwicklung ein, was sich auch im Namen der neuen ‚UN Sustainable Development Group‘ spiegelt, die den Auftrag erhielt, die Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (Agenda 2030) und deren 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) zu befördern.

Klaus Töpfer überzeugte vor allem durch seine Offenheit und sein Engagement, seine Empathie und seinen Humor. Seinen sehr deutschen Akzent im Englischen pflegte er selbstironisch damit zu kommentieren, das sei eben der Preis, den die Muttersprachler dafür zu zahlen hätten, dass Englisch Arbeitssprache der UN sei.

Seine fundierte Expertise und seine breite Erfahrung aus Politik und Diplomatie hat Klaus Töpfer immer wieder gern und bei vielen Anlässen der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen zur Verfügung gestellt. „Mit Klaus Töpfer verlieren wir eine überzeugende Stimme für multilaterale Zusammenarbeit und starke Vereinte Nationen“, so der DGVN-Vorsitzende Ekkehard Griep: „Mit seinen Überzeugungen und seiner Leidenschaft hat er eindringlich für die globalen Herausforderungen unserer Zeit sensibilisiert und viele Menschen gewonnen.“ 

Im Jahr 2005 verlieh die DGVN Klaus Töpfer für seine herausragenden „Verdienste um die Förderung der Lösung der Weltprobleme durch das System der Vereinten Nationen“ die Dag-Hammarskjöld-Ehrenmedaille. Seinem Leben und seinem Wirken für eine bessere, gerechtere und nachhaltigere Welt werden wir immer ein ehrendes Andenken bewahren. Er verstarb am 8. Juni 2024 im Alter von 85 Jahren.

Steffen Bauer, Mitglied des DGVN-Forschungsrats