Organisierte Kriminalität im Aufwind

25 Jahre nach der Verabschiedung des Übereinkommens der Vereinten Nationen gegen die grenzüberschreitende Organisierte Kriminalität (UNTOC) ist das Organisierte Verbrechen international vernetzt wie nie zuvor und die internationale Kriminalität hat ein Rekordniveau erreicht. Viele Staaten haben Mühe, sie einzudämmen, und in vielen demokratischen Staaten finden heftige politische Debatten darüber statt, wie auf diese Entwicklung zu reagieren ist. Gleichzeitig befindet sich das für die multilaterale Zusammenarbeit wichtige Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in einer Finanzierungskrise – wie das gesamte UN-System – und erlebt zudem eine Führungskrise infolge des Rücktritts seiner Leiterin Ghada Waly im Mai dieses Jahres. Wie kann es also in der internationalen Verbrechens- und Korruptionsbekämpfung sowie bei der Verhinderung der zunehmend auftretenden Cyberkriminalität weitergehen? Auf diese und weitere Fragen gehen die Autorinnen und Autoren im Heft 6/2025 der Zeitschrift VEREINTE NATIONEN ein.
Seit seinem Abschluss kann das UNTOC durchaus als multilateraler Aufbruch zur kooperativen Bekämpfung transnationaler Organisierter Kriminalität gefeiert werden. Allerdings betont Bettina Weißer, dass eine Stärkung des UNTOC-Regimes angesichts der Kriminalitätsentwicklung heute wichtiger ist denn je. Der kommissarische UNODC-Exekutivdirektor John Brandolino in Wien schlägt vier Maßnahmen vor, die die internationale Gemeinschaft priorisieren sollte, um die Organisierte Kriminalität einzudämmen. Angela Reitmaier und Sebastian Wolf bewerten das Zustandekommen und den Inhalt des Übereinkommens der Vereinten Nationen gegen Korruption (UNCAC) sowie dessen Überprüfungsmechanismus als einen wichtigen Schritt. Allerdings muss auch hier nach der Überprüfungskonferenz seine Reichweite und Wirkung erhöht werden. Das erst vor einem Jahr beschlossene Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen Cyberkriminalität gilt als politischer Meilenstein und soll globale Ansätze zu deren Bekämpfung harmonisieren. Es birgt jedoch Risiken für die Menschenrechte und die Cybersicherheitsforschung, heben Pavlina Pavlova, Christina Rupp und Sven Herpig hervor. In seinem Standpunkt argumentiert Ian Tennant schließlich, dass die UN eine neue Vision und eine wirksame Strategie entwickeln sollten, um das UNTOC endlich wirksam umzusetzen.