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Sichere Straßen für alle

Jedes Jahr sterben 1,3 Millionen Menschen im Straßenverkehr, weitere 50 Millionen Menschen werden verletzt. Wie können diese vermeidbaren Tragödien verhindert werden? Die UN haben nun die Aktionsdekade für Straßenverkehrssicherheit ausgerufen: Bis 2030 soll die Zahl der Opfer halbiert werden.

Luftansicht auf zwei Kinder, die auf Spielzeugautos sitzen
Jeden Tag sterben 500 Kinder im Straßenverkehr - vermeidbare Tragödien. (UN Photo/Mark Garten)

Alle 24 Sekunden kommt ein Mensch auf der Welt im Straßenverkehr ums Leben. Jeden Tag sterben 500 Kinder aufgrund von Unfällen. Frauen haben ein 17-mal höheres Risiko als Männer, bei einem Autounfall getötet zu werden.

Und Straßensicherheit beinhaltet eine weitere Komponente von Ungleichheit: Besonders viele Menschen sterben in Schwellen- und Entwicklungsländer im Straßenverkehr. Neun von zehn Opfern kommen aus Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen. Die Ursachen dafür liegen in schlechter Infrastruktur, ungeplanter Verstädterung, schwachen Sozialschutz- und Gesundheitssystemen und geringen Kompetenzen bei der Verkehrssicherheit.

Verkehrsunfälle können Familien in wirtschaftliche Not bringen

Jedes Jahr werden 50 Millionen Menschen durch Unfälle verletzt. Die Konsequenzen sind weitreichend: Für die Opfer und ihre Familien erzeugen Unfälle eine große wirtschaftliche Belastung, denn sie müssen für Behandlungskosten aufkommen oder den Ausfall von Einkommen hinnehmen, wenn eine Person getötet oder körperlich beeinträchtigt wurde.

Auch volkswirtschaftlich sind Unfälle ein schwerwiegendes Problem: Jedes Jahr verlieren Länder des globalen Südens dadurch zwischen zwei und fünf Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts. Geld, das in anderen Bereichen wie beispielsweise im Bildungssektor, in Programmen für Ernährungssicherheit oder beim Ausbau von sicheren Infrastrukturen fehlt.

Wie die Zahl der Toten und Verletzen im Straßenverkehr verringert werden kann, war Thema eines hochrangigen Treffens der UN-Generalversammlung zur Verbesserung der Straßenverkehrssicherheit. Das zweitägige Treffen, das Anfang Juli 2022 im UN-Hauptquartier in New York stattfand, sollte die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein für das Thema schärfen und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Sektoren und Interessengruppen in dem Bereich fördern.

Vermeidbare Tragödie

„Verkehrsunfälle sind eine stille Epidemie auf Rädern“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres zum Auftakt des Treffens. „Die Tragödie dieser Todesfälle wird noch größer durch die einfache Tatsache, dass so viele davon völlig vermeidbar sind“.

Dass die Straßen für alle Menschen sicherer werden sollen, hat die Weltgemeinschaft schon vor Jahren beschlossen. In den 2015 verabschiedeten Zielen für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG) haben sich die Staaten weltweit dazu verpflichtet, ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters zu ermöglichen. Dazu zählte auch die Zahl der Toten durch den Straßenverkehr bis 2020 zu halbieren. Erreicht wurde dieses Unterziel des SDG 3 nicht, doch das Vorhaben bleibt weiterhin auf der Agenda.

Zahl der Toten und Verletzten durch Auto- und Motorradunfälle bis 2030 halbieren

Mit einer Resolution haben die Vereinten Nationen die Jahre zwischen 2021 und 2030 zur zweiten Aktionsdekade für Straßenverkehrssicherheit erklärt. Bis 2030 soll die Zahl der Toten und Verletzen durch Verkehrsunfälle um die Hälfte sinken. Die Staaten sind dazu aufgerufen, mehr Maßnahmen zur Erreichung der Verkehrssicherheit umzusetzen.

Was dafür notwendig ist, zählt UN-Generalsekretär Guterres auf: „Wir brauchen ehrgeizigere und dringende Maßnahmen zur Verringerung der größten Risiken wie Geschwindigkeitsübertretungen, Fahren unter dem Einfluss von Alkohol, psychoaktiven Substanzen oder Drogen, Nichtanlegen von Sicherheitsgurten, Helmen und Kindersitzen, unsichere Straßeninfrastruktur und unsichere Fahrzeuge, mangelhafte Fußgängersicherheit und unzureichende Durchsetzung der Verkehrsvorschriften.“

Außerdem sollen vor allem in Ländern mit mittleren oder niedrigen Einkommen mehr Investitionen in sichere Infrastrukturen, in eine umweltfreundlichere Mobilität und eine grünere Stadtplanung fließen. Doch noch immer fehlt es an dem notwendigen Geld.

Finanzen für sichere Infrastrukturen und Verkehrsprojekte

Auf dem zweitägigen Treffen wurden auch neue Finanzierungszusagen getroffen. 15 Länder sowie die Europäische Kommission wollen dem Straßenverkehrssicherheitsfonds der Vereinten Nationen 15 Millionen US-Dollar zur Verfügung stellen. Ziel des 2018 eingerichteten Fonds ist es, Lücken in den Verkehrssicherheitssystemen in Schwellen- und Entwicklungsländer zu schließen.

So hat der Fonds etwa Brasilien und Jordanien dabei unterstützt, dass die Durchsetzung von Geschwindigkeitsbegrenzungen und anderen Straßenverkehrsvorschriften verbessert wird. In Paraguay wurden Stadtplaner in der Schaffung sicherer Schulwege geschult.

Verkehrssicherheit bringt mehr sozialer Gerechtigkeit

Wenn sich alle Menschen sicher auf den Straßen bewegen könnten, würde das die Lebensbedingungen vieler Menschen verbessern – und damit zu mehr sozialer Gerechtigkeit führen, weil benachteiligte Gruppen wie Kinder oder Frauen häufiger durch Unfälle sterben. Dabei geht es auch um die indirekten Auswirkungen von Straßenverkehr wie etwa Luftverschmutzung und die Beeinträchtigung der Gesundheit. So müssen seit Juli 2022 alle in Ostafrika eingeführten Fahrzeuge die Abgasnorm Euro 4/IV erfüllen und dürfen nicht älter als acht Jahre sein.

Zudem haben die UN-Mitgliedsstaaten auf dem Treffen in New York eine politische Erklärung verabschiedet: Sichere Straßen und Wege hätten höchste Priorität, heißt es in der Resolution. Die Mitgliedsstaaten der UN werden darin aufgefordert selbst Ziele und Pläne für eine höhere Verkehrssicherheit zu entwickeln. Im Jahr 2026 soll das nächste Hochrangige Treffen in New York stattfinden. Dann soll überprüft werden, ob es die Vereinten Nationen ihrem Ziel nähergekommen sind, dass weniger Menschen Opferzahlen von Verkehrsunfällen werden – oder ob weitere Schritte benötigt werden.

Von Sandra Kirchner


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