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„We are here to redesign the table“ – Ein Fazit zur zweiten EU Youth, Peace and Security-Konferenz

Natalia Jagolski war für die DGVN bei der EU YPS-Konferenz in Brüssel mit dabei. In ihrem Meinungsbeitrag gibt sie einen Einblick in die Diskussionen und die aktuellen Entwicklungen rund um die YPS-Agenda, unter anderem im europäischen Kontext.

Natalia Jagolski

Zwischen dem 10. und 14. November 2025 kamen in Brüssel rund 120 junge Friedensaktivistinnen und -aktivisten aus über 98 Ländern zur zweiten EU Youth, Peace and Security (YPS)-Konferenz in Brüssel zusammen. Gemeinsam mit Forschenden, nationalen und regionalen politischen Entscheidungstragenden und Vertreterinnen und Vertretern aus der Zivilgesellschaft haben wir Konfliktprävention, Friedensförderung und die Umsetzung der YPS-Agenda im internationalen und nationalen Kontext besprochen. Dabei stach eines insbesondere hervor: Junge Menschen sind nicht nur Zielgruppe der YPS-Agenda, sondern Expertinnen und Experten in ihrer Umsetzung.

Nicht nur Betroffene, sondern Teil der Lösung

Die YPS-Agenda wurde vor zehn Jahren in Form der UN-Sicherheitsratsresolution 2250 ins Leben gerufen. Diese besagt, dass junge Menschen nicht nur Betroffene von Konflikt und Unsicherheit sind, sondern entscheidende Akteurinnen und Akteure, wenn es darum geht, einen nachhaltigen und inklusiven Frieden zu gestalten. 

Das Leistungsmerkmal der jungen Teilnehmenden war demnach nicht unser junges Alter, sondern unser geballtes Fachwissen. Ob als Jugenddelegierte, Forschende, Community Organizer oder junge Expertinnen und Experten: Hinter unserem Engagement steckt nicht nur das Interesse, an Entscheidungen mitzuwirken, sondern ein oftmals unerfasstes Potenzial und relevante Erfahrung in Sachen Frieden, Sicherheit und Jugendbeteiligung.

Aktive Ausgestaltung der Konferenz

In Brüssel kam dieses Potenzial tagtäglich zur Geltung, denn der Großteil des Konferenzprogramms wurde durch die jungen Teilnehmenden organisiert und gestaltet. In interaktiven Workshops und Panel-Diskussionen zu Polarisierung, Nachhaltigkeit oder überregionalen Kooperationsmechanismen wurde die YPS-Agenda nicht nur ausgelegt, sondern aktiv verkörpert. 

Eine Frage dominierte die Konferenz

Die Konferenz war ein praktisches Beispiel dafür, wie jugendgeleitete und partizipative Friedensarbeit auf Augenhöhe aussehen kann. Nichtsdestotrotz stellte sich bereits am ersten Konferenztag die Frage: Reicht ein Platz am Tisch aus oder muss der Tisch gänzlich neu gedacht werden?

Noch immer sind viele Prozesse in der internationalen Friedens- und Sicherheitspolitik von hierarchischen, und institutionenzentrierten Perspektiven geprägt. Dies ist nicht nur auf internationaler oder EU-, sondern auch auf nationaler Ebene ein wichtiger Kritikpunkt. Insbesondere in den regionalen Breakoutsessions und kleineren Arbeitskreisen zum europäischen YPS-Ansatz wurde deutlich, dass YPS nicht nur für den internationalen Kontext oder in der Friedenssicherung relevant ist. Während YPS im afrikanischen oder skandinavischen Kontext zunehmend als eine lokal umzusetzende Agenda gedacht wird, bleibt YPS in Deutschland oder der EU oftmals ein außenpolitisches Instrument. Jedoch müssen junge Perspektiven auch in sicherheitspolitischen Angelegenheiten im Inland eine größere Rolle spielen.

Nicht nur ein außenpolitisches Thema

Die Angst vor Krieg nimmt unter Jugendlichen in Europa deutlich zu, was auch in der aktuellen Debatte zur deutschen Wehrpflicht ein häufig aufkommendes Thema ist. Obwohl die junge Generation am meisten von diesen Änderungen betroffen ist, wird sie nicht ausreichend gehört. Die YPS-Agenda macht sich dafür stark, dass junge Menschen als gleichwertige Partnerinnen und Partner für mehr Frieden und Sicherheit anerkannt werden. Das sollte sowohl im nationalen als auch im internationalen Kontext gelten. Doch wie bereits in Brüssel gesagt wurde: Manchmal reicht ein Sitz am Tisch nicht aus, sondern die Verhandlungen selbst müssen von Anfang an jugendgerecht und partizipativ gestaltet werden. Jugendbeteiligung ist kein Kann, sondern ein Muss, wenn es um einen nachhaltigen Frieden und mehr Sicherheit geht.

Das war auch der Konsens, der unsere gemeinsame Abschusserklärung bestimmt hat. Nach intensiven Diskussionen und einem langem Abstimmungsprozess haben wir mit Hilfe des Europäischen Auswärtigen Dienstes (European External Action Service – EEAS) eine Erklärung formuliert, die konkrete politische Handlungsempfehlungen und die Interessen junger Friedensaktivistinnen und -aktivisten weltweit umfasst.

Wie es nun weitergeht

Bis Ende Dezember 2025 haben EU-Mitgliedsstaaten, Partnerorganisationen und andere relevante Stakeholder die Möglichkeit, diese Abschlusserklärung zu unterstützen; schließlich sollte die zweite EU YPS-Konferenz kein isoliertes Ereignis bleiben. Sie reiht sich ein in eine wachsende internationale Bewegung, die deutlich macht, dass nur dann, wenn junge Menschen als vollwertige Expertinnen und Experten anerkannt werden, die YPS-Agenda ihr volles Potenzial entfalten kann. 

Die zweite EU YPS-Konferenz stellt deshalb keinen Endpunkt dar, sondern schafft die Grundlage für eine stärkere Vernetzung von YPS-Akteurinnen und -akteuren inner- und außerhalb Europas.

Natalia Jagolski, ehemalige Jugendbeobachterin zum Peacekeeping Ministerial 2025

Weitere Aktivitäten der DGVN zu YPS:

Initiative der deutschen Jugenddelegierten zur UN-Generalversammlung: UN Youth Delegates Call for Inclusive Security Council Reform

YPS als Priorität bei Deutschland für einen nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat 2027-28: Deutschlands Kandidatur für den UN-Sicherheitsrat – Junge Perspektiven für Frieden und Sicherheit 

Bildungsseminar „The Missing Peace in Peacekeeping“