Menü

Weltbevölkerungsbericht 2016: Die Zukunft der zehnjährigen Mädchen

In 15 Jahren werden die heute zehnjährigen Mädchen 25 Jahre alt sein. Damit werden diese derzeit knapp über 60 Millionen Mädchen zum Gradmesser für die Verwirklichung der Agenda 2030. Ihre Bedürfnisse nimmt der diesjährige Weltbevölkerungsbericht in den Blick, ebenso wie die Chancen, die sich aus Investitionen in ihre Zukunft ergeben – für die Mädchen selbst und für die Gesellschaften, in denen sie leben.

Titelbild Weltbevölkerungsbericht 2016. Portrait-Fotos von Mädchen aus verschiedenen Teilen der Welt. Bild: UNFPA/DSW
Titelbild Weltbevölkerungsbericht 2016. (Foto: UNFPA/DSW)

Noch nie in der Geschichte der Menschheit lebten so viele junge Menschen auf der Welt. Nach UN-Schätzungen sind 125 Millionen von ihnen heute zehn Jahre alt, etwas mehr als 60 Millionen dieser Zehnjährigen sind Mädchen. Unter dem Titel „10 - Wie unsere Zukunft von Mädchen in diesem Alter abhängt“ beschreibt der neue Bericht des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) die Vision, wie das Leben dieser so genannten „SDG-Generation“ in 15 Jahren aussehen könnte, wenn die Ziele erreicht sind.

Der UN-Bevölkerungsfonds hatte gute Gründe, sich genau auf diese Altersgruppe zu konzentrieren, denn sie befindet sich quasi in einem Übergangsstadium: Dem eigentlichen Kindesalter soeben entwachsen, während die Adoleszenz gerade erst beginnt. Damit falle diese Altersgruppe oft durch das Raster nationaler und internationaler Datenerhebungen, heißt es in dem Bericht. Die Ziele für nachhaltige Entwicklung seien für sie eine Chance, denn die meisten Länder werden neue Daten erheben müssen, um ihre Fortschritte zu dokumentieren. Die zu erwartende „Datenrevolution“ im Zuge der Agenda 2030 sollte genutzt werden, um die Fortschritte für Mädchen, z.B. im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit, besser zu dokumentieren.

Warum die Mädchen?

Nicht nur das Alter ist von zentraler Bedeutung, sondern auch der Fokus des diesjährigen Weltbevölkerungsberichts auf die Mädchen. Viele der Risiken, die der Übergang ins Erwachsenenleben mit sich bringt, sind auch für Jungen sehr groß. Doch bei Mädchen werden sie durch geschlechtsspezifische Diskriminierung in nahezu jeder Hinsicht verschärft. Besonders düster sind die Aussichten für Mädchen, wenn sie in einem armen Land, einem armen sozialen Umfeld oder auf dem Land aufwachsen, wo ihr Schulbesuch insbesondere in der Sekundarstufe nicht gewährleistet ist. Oft sind sie erheblichen Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Besondere Gefahren entstehen durch Teenagerschwangerschaften, frühe Verheiratung an oft deutlich ältere Männer oder die noch immer praktizierte Genitalverstümmelung.

Von den annähernd 60 Millionen zehnjährigen Mädchen leben heute etwa 35 Millionen in Ländern, in denen die Diskriminierung von Mädchen und Frauen besonders eklatant ist, heißt es in dem Bericht. 

Mädchenbildung - die „beste Investition der Welt“

Mit zehn Jahren, wenn Mädchen auf die Pubertät zugehen, werden sie plötzlich von vielen als einsetzbar betrachtet – für die Arbeit, das Gebären von Kindern oder für Sex. Genau zu diesem Zeitpunkt müssen ihre Rechte wirksam durch geeignete Gesetze, Versorgungsleistungen und Investitionen geschützt werden.

Pro zusätzlichem Schuljahr lässt sich laut dem Bericht im späteren Leben ein etwa zehnprozentiger Einkommenszuwachs feststellen, wobei diese „Rendite“ bei Frauen mit 11,7 Prozent die bei Männern von 9,6 Prozent leicht übertrifft.

Investitionen in die Gesundheit von Mädchen und Frauen können den demografischen Übergang eines Landes beschleunigen und die demografische Dividende vergrößern. Werde dagegen überwiegend in die Gesundheit von Jungen und Männern investiert, könne dies den demografischen Übergang verzögern und die mögliche demografische Dividende mindern. Als Hauptgrund dafür nennt der Bericht, dass der Einkommenseffekt einer höheren Produktivität von Männern die Fertilitätsraten tendenziell steigen lasse. Investitionen in die Gesundheit von Frauen hingegen – insbesondere in ihre reproduktive Gesundheit – können die Fertilitätsraten senken.

Grafik "Demografische Dividende", Quelle: UNFPA-Weltbevölkerungsbericht 2016
So funktioniert die "demografische Dividende". (Quelle: UNFPA-Weltbevölkerungsbericht 2016)

 

Empfehlungen

Der Bericht empfiehlt als wichtige Investitionen in die Zukunft der Mädchen eine hochwertige Sekundarschulbildung, eine maßgeschneiderte Gesundheitsversorgung, eine umfassende Sexualaufklärung spätestens ab dem elften Lebensjahr, Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt sowie striktere Gesetze zum Beispiel gegen Genitalverstümmelung und Kinderehen – einschließlich der Durchsetzung dieser Gesetze in der Rechtspraxis. Um strukturelle Macht- und Teilhabegefälle auszugleichen, werden in dem Bericht Quotenregelungen als eine Möglichkeit gesehen, um Mädchen Chancen zu eröffnen, die ihnen ansonsten über Generationen Dauer verschlossen blieben.

Im Vorwort zum Weltbevölkerungsbericht bringt UNFPA-Direktor Babatunde Osotimehin auf den Punkt, dass es nicht nur um die Zukunft der Mädchen, sondern um die Zukunft der Menschheit geht: „In vieler Hinsicht wird der Lebenslauf eines heute zehnjährigen Mädchens der wahre Prüfstein dafür sein, ob die Agenda 2030 ein Erfolg wird – oder ein Fehlschlag.“

Weitere Informationen:

Deutsche Stiftung Weltbevölkerung/ United Nations Population Fund (Hg): Weltbevölkerungsbericht 2016. 10 - Wie unsere Zukunft von Mädchen in diesem Alter abhängt. Hannover/New York. (Deutsche Kurzfassung)

United Nations Population Fund (UNFPA): The State of World Population 2016. 10 - How our future depends on a girl at this decisive age, New York (englische Langfassung)

Christina Kamp


Das könnte Sie auch interessieren


  • Weltbevölkerungsbericht 2021: „Mein Körper gehört mir“

    20.04.2021
    Für viele Mädchen und Frauen weltweit ist das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung noch immer nicht verwirklicht. Fortschritte, Hemmnisse und Rückschläge beschreibt der neue Weltbevölkerungsbericht des Bevölkerungsfonds der… mehr

  • Lehren aus den Verhandlungen zur UN-Agenda 2030

    07.03.2024
    Im Jahr 2015 haben die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung beschlossen. Eine neue Studie zeigt nun Missstände im Verhandlungsprozess auf, darunter ungleiche Repräsentation verschiedener Staaten sowie… mehr

  • Dauerhafte Entwicklung als globale Herausforderung

    Anstöße der Brundtland-KommissionDauerhafte Entwicklung als globale Herausforderung

    01.06.1987
    Vor drei Jahren haben die Vereinten Nationen eine Kommission eingesetzt, die Empfehlungen erarbeiten sollte zu dem Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und dem Schutz der Umwelt als der natürlichen Lebensgrundlage für die Menschen.… mehr