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Weltfrauentag 2020: Auf dem langen Weg zur Gleichberechtigung

Unter dem Motto „I am Generation Equality“ feierten die Vereinten Nationen den Weltfrauentag am 8. März. Eine Reihe von Meilensteinen auf dem Weg zur Gleichberechtigung jähren sich in diesem Jahr, so dass UN Women 2020 als ein "Jahr der Frauen" begeht.

Mehrere dutzend Frauen posieren mit geballter Faust für ein Foto zur Eröffnung der 64. Sitzung der UN-Frauenrechtskommission am 9. März 2020
Eröffnung der 64. Sitzung der UN-Frauenrechtskommission am 9. März 2020. (CSW64/FlickrUN WomenCC BY-NC-ND 2.0)

Der diesjährige Weltfrauentag in New York war darauf ausgerichtet, verschiedene Aktivistinnen- und Aktivisten-Generationen zusammenzubringen: die heute jungen mit den „alten“ Verfechterinnen und Verfechtern von Frauenrechten, die an der Weltfrauenkonferenz in Peking vor 25 Jahren maßgeblich beteiligt waren. Mit einer generationenübergreifenden Kampagne „Generation Gleichberechtigung: Frauenrechte verwirklichen – für eine gleichberechtigte Zukunft“ will UN Women den noch immer unerfüllten Forderungen Nachdruck verleihen: gleiche Bezahlung, gleichberechtigte Aufteilung von unbezahlter Pflege- und Hausarbeit, das Ende sexueller Belästigung und aller Formen von Gewalt gegen Frauen und Kinder, Gesundheitsdienste, die sich der Anliegen von Frauen und Mädchen annehmen, sowie die gleichberechtigte Teilnahme am politischen Leben und an Entscheidungen in allen Lebensbereichen.

„In Zukunft wollen wir uns nicht auf lediglich 25 Prozent des Raumes einengen lassen“, sagte Phumzile Mlambo-Ngcuka, Direktorin von UN Women, in ihrer Abschlussrede zum Weltfrauentag in New York. „Wir wollen zusammenarbeiten, um 50 Prozent zu erreichen“. Der kürzlich von UN Women herausgegebene Bericht „Gender equality: Women’s rights in review 25 years after Beijing” habe gezeigt, dass Frauen in allen Sphären von Macht und Einfluss nur 20 bis 25 Prozent der entscheidungsrelevanten Positionen bekleiden: 75 Prozent aller Abgeordneten seien Männer, 73 Prozent der Managementpositionen seien mit Männern besetzt und 70 Prozent der Verhandlungsführer in den Klimaverhandlungen seien ebenfalls Männer.
 

Fortschritte gegen Widerstände

Diese Zahlen, ebenso wie die ausführlicheren Statistiken im Bericht, machen deutlich, dass viele der vor 25 Jahren auf der vierten Weltfrauenkonferenz in Peking formulierten Ambitionen noch lange nicht erfüllt sind. „Doch würde man gegen Widerstände nicht ankämpfen, wären die Ergebnisse noch schlechter“, sagte Mlambo-Ngcuka. Der Bericht ist eine umfassende Bestandsaufnahme, wie es um die Rechte von Frauen bestellt ist. 170 Länder haben dazu beigetragen. Er zeigt: Armut ist immer noch weiblich, 32 Millionen Mädchen im Grundschulalter gehen weiterhin nicht zur Schule – trotz großer Fortschritte in diesen und anderen Bereichen.

Um Fortschritte zu beschleunigen, werden in dem Bericht vier „Katalysatoren“ genannt, die Veränderungen bewirken können: Frauenbewegungen müssen unterstützt werden, Technologien müssen geschlechtergerecht eingesetzt werden, niemand dürfe auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung zurückgelassen werden, und es brauche die nötige Mittelausstattung, die den abgegebenen Verpflichtungen entspricht.

Auf einer hochrangig besetzten Podiumsdiskussion im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen am 25. Februar 2020 skizzierte Mlambo-Ngcuka zentrale Herausforderungen, die eine Vertiefung des feministischen und auf Rechten basierenden Diskurses erfordern, darunter Gewalt gegen Frauen; Gleichberechtigung in wirtschaftlicher Hinsicht, Selbstbestimmung über den eigenen Körper, sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte, feministische Aktionen für Klimagerechtigkeit sowie Technologien und Innovationen, die die Gleichberechtigung der Geschlechter fördern.
 

25 Jahre nach Peking

Die meisten der heutigen großen Gender-Gerechtigkeitslücken klafften bereits vor 25 Jahren. Die 4. Weltfrauenkonferenz in Peking verabschiedete ein weitreichendes und ambitioniertes Aktionsprogramm – die „Beijing Platform for Action“. Damals herrschte noch vorsichtiger Optimismus. Heute sind mühsam erkämpfte Erfolge bei der Gleichstellung von Frauen und Männer bedroht, Stillstand oder sogar Rückschritte sind reale Gefahren. Die Welt ist von zunehmender Ungleichheit geprägt, die Zukunft angesichts von Umwelt- und Klimakrisen höchst ungewiss. Einige neue Problemfelder sind etwa mit der Entwicklung digitaler Technologien hinzugekommen, darunter diskriminierende Algorithmen, frauenfeindliche Hetze im Internet und Cyber-Gewalt gegen Frauen.
 

Frauenrechtskommission in Zeiten von Corona

In diesen Tagen hätte sich die Frauenrechtskommission der Vereinten Nationen zwei Wochen lang in New York mit den Herausforderungen bei der Umsetzung von SDG 5 und der Aktionsplattform von Peking beschäftigen sollen. Aufgrund der befürchteten Ausbreitung des Corona-Virus wurde die Sitzung jedoch auf den 9. März beschränkt. In ihrer Erklärung anlässlich des 25. Jubiläums der 4. Weltfrauenkonferenz von Peking stellt die Frauenrechtskommission fest, dass es bislang kein Land der Welt geschafft habe, das Ziel Gleichberechtigung und Stärkung von Frauen und Mädchen vollumfänglich zu erreichen. Weltweit gebe es immer noch gravierende Ungleichheiten und viele Frauen und Mädchen litten unter vielfältigen und sich überschneidenden Formen von Diskriminierung, Verwundbarkeit und Marginalisierung.
 

Neue Stoßkraft generieren

Als weitere Anlässe, um neuen Schwung in den Kampf um Frauenrechte zu bringen, gelten das diesjährige zehnjährige Bestehen von UN Women als „Einheit der Vereinten Nationen für Gleichstellung und Ermächtigung der Frauen“ und das Jubiläum der UN-Resolution 1325, die vor 20 Jahren vom UN-Sicherheitsrat verabschiedet wurde. In dieser Resolution wurden die UN-Mitgliedsstaaten, vor allem aber die Parteien an Konflikten dazu aufgerufen, die Rechte von Frauen zu schützen und Frauen gleichberechtigt in Friedensverhandlungen, Konfliktschlichtung und Wiederaufbau einzubeziehen.

Besonderen Stellenwert hat die Agenda 2030, in der sich die Regierungen vor fünf Jahren verpflichtet haben, auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung niemanden – auch keine Frau, kein Mädchen – zurückzulassen. Nicht ohne Grund beinhaltet die Agenda 2030 mit ihren Zielen für nachhaltige Entwicklung (SGDs) mit Ziel 5 ein eigenes SDG zur Gleichstellung der Geschlechter – eines, ohne das sich auch viele andere Nachhaltigkeitsziele nicht erreichen lassen würden.

Christina Kamp

 

Weitere Informationen:

UN Women (2020): „Gender equality: Women’s rights in review 25 years after Beijing

UNICEF/Plan International/UN Women (2020): „A New Era for Girls: Taking stock of 25 years of progress

UNDP (2019): „Bericht über die menschliche Entwicklung 2019“ mit dem Index der geschlechtsspezifischen Entwicklung und dem Index der geschlechtsspezifischen Ungleichheit
Kapitel 4 der englischen Langfassung des „Human Development Report 2019”: „Gender inequalities beyond averages: Between social norms and power imbalances

UNDP (2020): „Tackling Social Norms - A game changer for gender inequalities

 

Termine:

Generation Equality Forum, 7.-8. Mai in Mexiko-Stadt und 7.-10. Juli 2020 in Paris.

Hochrangiges Treffen zur 75. Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Thema Geschlechtergerechtigkeit, 23. September 2020 in New York.


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