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Das UN-System

UN Photo/Rick Bajornas
UN Photo/Rick Bajornas

Die UN wurden in Folge des Zweiten Weltkriegs gegründet mit dem klaren Ziel, einen weiteren grausamen Großkonflikt zu verhindern. Schon vor dem Krieg hatte der 1920 gegründete Völkerbund diese Aufgabe – leider verhinderten die strukturellen Schwächen dieser Organisation die Erfüllung ihrer Ziele. So wurde 1945 die UN gegründet und mit vielen verschiedenen Instrumenten versehen, um ihr Hauptziel – das Herstellen und Erhalten des internationalen Friedens – erfüllen zu können. 

Heute besteht die UN aus einem komplexen Geflecht von Hauptorganen sowie zahlreichen Nebenorganen, Sonder- und Partnerorganisationen. Die Regierungen der Mitgliedsstaaten nehmen auf unterschiedliche Art und Weise Einfluss auf diese Organe und treffen in verschiedenen Organen gemeinsam Entscheidungen.

Das Gründungsdokument der Vereinten Nationen, die Charta, legt sechs Hauptorgane fest und bestimmt ihre Zusammensetzung und Kompetenzen. Die eigentliche Arbeits- und Verfahrensweise ist in der jeweiligen Geschäftsordnung festgeschrieben. Die Hauptorgane haben im Rahmen ihrer Kompetenzen umfangreiche Ausschüsse, Kommissionen und Gremien geschaffen, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen. Mit Ausnahmen des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag haben alle ihren Sitz in New York.

 

Die Hauptorgane der Vereinten Nationen
 

Generalversammlung

Die Generalversammlung (General Assembly – GA) ist die Vollversammlung der Vereinten Nationen. Jeder Mitgliedstaat – aktuell sind es 193 – verfügt über eine Stimme. Die Generalversammlung beschäftigt sich in zahlreichen Ausschüssen mit einer großen thematischen Bandbreite und kann jedes Thema diskutieren, das in einem Resolutionsentwurf eingebracht wird. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Prüfung des UN-Haushalts.
Die Entscheidungen der Generalversammlung werden meistens mit einer mehrheitlichen Abstimmung getroffen. Sie sind nicht völkerrechtlich bindend, können aber unter bestimmten Voraussetzungen zur Ausbildung von verbindlichem Völkergewohnheitsrecht beitragen. Auch bei internen organisatorischen Fragen trifft sie als oberstes Organ bindende Entscheidungen. Die ordentliche Generalversammlung tritt jährlich im Herbst zu ihrer Sitzungsperiode an.

UN Photo/Eskinder Dedebe
UN Photo/Eskinder Dedebe

Sicherheitsrat

Der Sicherheitsrat ist das mächtigste Gremium der UN. Er setzt sich aus fünf ständigen Mitgliedern mit Vetorecht (China, Frankreich, Großbritannien, Russland, USA) und zehn nichtständigen Mitgliedern zusammen, welche für zwei Jahre durch die Generalversammlung gewählt werden. Art. 24 (1) der UN-Charta hat den Mitgliedstaaten des Sicherheitsrats „die Hauptverantwortung für die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit“ übertragen. So kann das Gremium auch Blauhelmsoldaten in sogenannten Peacekeeping-Missionen in Konfliktgebiete entsenden, wenn es den Weltfrieden bedroht sieht.
Seine Entscheidungen sind zudem weltweit bindend – anders als die der anderen UN-Gremien. Jedoch verfügen die fünf ständigen Mitglieder über Vetorecht, das heißt, sie können alleine eine Beschlussfassung verhindern. Dies erschwert oft die Entscheidungsfindung.

UN Photo/Mark Garten
UN Photo/Mark Garten

Wirtschafts- und Sozialrat

Der Wirtschafts- und Sozialrat (Economic and Social Council – ECOSOC) besteht aus 54 Mitgliedsstaaten, die für drei Jahre von der Generalversammlung gewählt werden und nach einem Schlüssel auf die Weltregionen verteilt sind. Der ECOSOC ist gemäß der UN-Charta das zentrale Organ der Vereinten Nationen für wirtschaftliche, soziale und Entwicklungsfragen. Darüber hinaus kann der ECOSOC spezialisierte Nebenorgane berufen und koordiniert heute die Arbeit von 15 Sonderorganisationen, zehn funktionalen Kommissionen und fünf Regionalkommissionen. Der Rat tagt in der Regel einmal jährlich im Juli, abwechselnd in New York und Genf.

UN Photo/Eskinder Dedebe
UN Photo/Eskinder Dedebe

Internationaler Gerichtshof

Der Internationale Gerichtshof (International Court of Justice – ICJ)  ist das Rechtsprechungsorgan der Vereinten Nationen und hat seinen Sitz in Den Haag (Niederlande). Seine Funktionsweise und Zuständigkeit sind in Art. 92-96 der UN-Charta sowie im ICJ-Statut geregelt. Der Gerichtshof behandelt Rechtstreitigkeiten zwischen Staaten, die seine Zuständigkeit akzeptiert haben. Darüber hinaus kann er Gutachten über Fragen des internationalen Rechts verfassen, die in der Regel rechtlich nicht bindend sind. Maßstab für die Rechtsprechung ist das Völkerrecht. 
Dem Gerichtshof gehören 15 Richterinnen und Richter an, die vom Sicherheitsrat und der Generalversammlung in getrennten Verfahren für neun Jahre gewählt werden. Die Durchsetzung der Urteile geschieht in letzter Instanz durch Resolutionen des Sicherheitsrats. 

UN Photo/ICJ-CIJ
UN Photo/ICJ-CIJ

Sekretariat

Das Sekretariat ist das wichtigste administrative Organ der UN. Mit Hauptsitz in New York und Außenstellen in Genf, Nairobi und Wien ist seine Hauptaufgabe die organisatorische Unterstützung der anderen UN-Organe, unter anderem durch die Organisation von Konferenzen, das Aufsetzen des Haushalts und das Verfassen von Berichten.
Das Sekretariat besteht nach Art. 97 der Charta aus der Generalsekretärin oder dem Generalsekretär und den internationalen Beamten. Die Generalsekretärin oder der Generalsekretär hat somit die höchste exekutive Funktion im UN-System und nimmt eine repräsentative Funktion ein. Sie oder er wird von der Generalversammlung für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt, wobei eine einmalige Wiederwahl möglich ist. Zudem setzt sich das Sekretariat aus verschiedenen Unterbüros zusammen, die zu bestimmten Themen arbeiten.

UN Photo/Tobin Jones
UN Photo/Tobin Jones

Treuhandrat

Der Treuhandrat ist zurzeit inaktiv. Ursprünglich war er dafür gedacht, Territorien unter Kolonialherrschaft zurück in die Selbstverwaltung zu führen, was zur Zeit der Gründung der Vereinten Nationen ein sehr aktuelles Anliegen darstellte. Nachdem Palau als letzte Kolonie 1994 in die Unabhängigkeit entlassen wurde, hat der Rat seine Arbeit suspendiert. Mitglieder des Rates sind nun nur noch die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats.

UN Photo/Albert Fox
UN Photo/Albert Fox

Die Entwicklung des UN-Systems

Das UN-System ist seit 1945 stetig gewachsen. *2010 in UN Women integriert. (Graphik: C. Agel)

Nebenorgane zur Erfüllung von neuen Aufgaben

Schon bei der Unterzeichnung der Charta im Jahr 1945 war klar, dass neben dem Grundgerüst zusätzliche Organe nötig sein würden, um die vielfältigen und ständig wechselnden Aufgaben der Vereinten Nationen erfüllen zu können. So wurde in Art. 7 (2), 22 und 29 der Charta die Möglichkeit festgehalten, nach Bedarf Nebenorgane (subsidiary organs) einzurichten, wovon in der Folge häufig Gebrauch gemacht wurde, um spezialisierte Organe für diverse Aufgabengebiete zu schaffen.
Zu den Nebenorganen zählen unter anderem die UN-Friedensmissionen oder die Strafgerichtshöfe für das ehemalige Jugoslawien und Ruanda. Hinzu kommen zahlreiche Institute, Ausschüsse, Kommissionen und andere Gremien wie der Menschenrechtsrat sowie Fonds und Programme wie das Kinderhilfswerk UNICEF, das UN-Entwicklungsprogramm UNDP oder das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP.

Zahlreiche Sonder- und Partnerorganisationen

UN Photo/UNHCR

Anders als die Nebenorgane sind die Sonderorganisationen (specialized agencies) der UN-Familie nicht direkt einem Hauptorgan unterstellt, sondern rechtlich, organisatorisch und finanziell unabhängig. Durch Abkommen sind die Sonderorganisationen, die sich in der Regel nur einem bestimmten Thema widmen, mit dem Wirtschafts- und Sozialrat verbunden, dem sie Bericht erstatten und mit dem sie ihre Arbeit koordinieren.

Die ersten Sonderorganisationen – die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), der Internationale Währungsfonds (IMF) und die Weltbank – nahmen bereits 1945 ihre Arbeit auf. Es folgten zahlreiche weitere bekannte (beispielsweise die Bildungs- und Kulturorganisation UNESCO oder die Weltgesundheitsorganisation WHO) und weniger bekannte Sonderorganisationen (wie die Internationale Fernmeldeunion ITU, der Weltpostverein UPU oder die Weltorganisation für Meteorologie WMO). Heute sind 15 Sonderorganisationen Teil der UN-Familie.

Daneben haben sich weitere Organisationen herausgebildet, die zwar eng mit den Vereinten Nationen kooperieren, aber nicht dem UN-System angehören. So sind etwa der Internationale Strafgerichtshof (ICC) und die Internationale Atomenergieorganisation (IAEA) keine UN-Organe, ihre Zusammenarbeit mit der Weltorganisation ist aber vertraglich geregelt. Eine Übersicht der Institutionen und ihrer Beziehungen untereinander findet sich hier.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen

Drei UN-Generalsekretäre im Gespräch: Kofi Annan, Antonio Guterres und Ban Ki-moon (UN Photo/Mark Garten).

An der Spitze des UN-Sekretariats steht die Generalsekretärin oder der Generalsekretär, der die Vereinten Nationen repräsentiert und ihre Arbeit koordiniert.
Seit 1945 gab es neun Generalsekretäre, welche die Organisation während ihrer Amtszeit jeweils persönlich geprägt haben.
Die bisherigen Amtsinhaber und ihre Beiträge zur Weltorganisation werden hier vorgestellt.