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Wohin fließen die Gelder?

Ein großer Teil der regulären Ausgaben wird, wie bei den meisten internationalen Organisationen, für die Bediensteten sowie für die Unterhaltung der Amtssitze in New York, Genf, Wien und Nairobi ausgegeben. Diese Ausgaben machen allerdings nur einen Teil der Gesamtausgaben aller Organisationen im UN-System aus.

Soldat mit UN-Flagge
UN Photo/Gregorio Cunha

Globale Gesamt­ausgaben in Höhe von 57 Milliarden US-Dollar

Der reguläre Haushalt der Vereinten Nationen mit seinen gut 3,2 Milliarden US-Dollar ist wie ein zentraler Knoten­punkt in einem größeren Geflecht der UN-Finanzen. Zusammen mit dem Haus­halt für die Friedens­missionen trägt er eine wichtige Arbeit der Vereinten Nationen weltweit. Zusätzlich werden allerdings viele weitere bedeutende multi­laterale Aufgaben von anderen Orga­nisationen im UN-System erfüllt. Die meisten von ihnen verfügen über eigene Haus­halte und werden nur zu einem sehr geringen Teil aus dem UN-Haushalt unter­stützt. Nimmt man alle 43 Orga­nisationen und Programme der Vereinten Nationen und ihre Ausgaben zusammen, kommt das UN-System auf globale Gesamt­ausgaben in Höhe von 57 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa der Summe, die in Deutsch­land 2020 für Bau­maßnahmen auf Bundes­straßen und Auto­bahnen ausgegeben wurde.

Ein großer Teil der Aus­gaben entfällt dabei auf die Sonder­orga­nisationen sowie Programme und Spezial­organe der Vereinten Nationen. Sonder­organisationen – wie beispiels­weise die Inter­nationale Arbeits­organisation (ILO) oder die Welt­gesundheits­organisation (WHO) – sind inter­nationale Orga­nisationen, die mit den Vereinten Nationen durch einen Vertrag verbunden sind. Die Programme und Spezial­organe – wie beispiels­weise das Kinder­hilfs­werk der Vereinten Nationen (UNICEF) oder das Umwelt­programm der Vereinten Nationen (UNEP) – sind hingegen an Weisungen der General­versammlung gebunden und verfügen im Unter­schied zu den Sonder­organisa­tionen über keinen eigenen Pflicht­haus­halt.

Im Bereich der globalen Gesund­heit arbeitet beispiels­weise die zum UN-System gehörende WHO mit ihren eigenen Finanzen unter anderem zur Pandemie­eindämmung wie dem welt­weiten COVID-19-Ausbruch. Der Haus­halt der WHO ist zwar im Vergleich zum orden­tlichen UN-Haushalt anders aufgebaut, 2021 ist er aber in etwa ebenso hoch.

Neben den Bereichen Friedens­sicherung und Gesund­heit werden die größten Ausgaben im Bereich der humani­tären Hilfe, zum Beispiel über das Welt­ernährungs­programm (WFP) oder das Amt für die Koordi­nierung humanitärer Ange­legen­heiten (OCHA) sowie zur Unter­stützung der (nach­haltigen) Entwicklung ins­besondere über das UN-Ent­wicklungs­programm (UNDP) getätigt. Die Arbeit der Vereinten Nationen im Bereich Flucht und Migration, die sowohl humanitäre, entwicklungs­politische oder Bildungs­maßnahmen umfasst, wird eben­falls mit großen Ausgaben durch das Hohe Flücht­lings­kommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR), das Hilf­swerk der Vereinten Nationen für Palästina­flücht­linge im Nahen Osten (UNRWA) oder die im Jahr 2016 dem UN-System bei­getretene Inter­nationale Orga­nisation für Migration (IOM) durchgeführt. Ins­gesamt wird dort ein Viel­faches des regulären Haus­halts ausgegeben.

Bei allen Beiträgen handelt es sich um reale, inflationsbereinigte Werte.

Unterschiedliche Prioritäten des Globalen Nordens und Südens

Die 193 Mitglied­staaten der Vereinten Nationen sind oft unter­schied­licher Auf­fassung, wofür die zur Verfü­gung stehenden Mittel auf­gewendet werden sollen: Der Globale Süden möchte beispiels­weise die Ausgaben für ent­wicklungs­politische Themen erhöhen, während der Globale Norden mehr in Themen wie Sicher­heit und Menschen­rechte inves­tieren will.

So entfällt ein immer größerer Teil des regu­lären Haushalts auf die ‚Beson­deren Politischen Missionen‘, bei denen der Sicherheits­rat eine größere und die Mit­sprache einzelner Staaten des Globalen Südens eine geringere Rolle spielt. Gelder für diese Missionen sind Mittel, die primär für sicher­heits­poli­tische Zwecke aus­gegeben und dann nicht beispiels­weise unmittel­bar in nach­haltige Ent­wicklung investiert werden. Daran zeigt sich der unauf­lösbare Konflikt, dass die wichtigsten geld­gebenden Staaten, die dem Globalen Norden zu­zuzählen sind, andere Ausgaben­prio­ritäten haben als die Staaten, die auf­grund von Ent­wicklungs­programmen von den Geldern profi­tieren.