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Wohin fließen die Gelder?

Soldat mit UN-Flagge
UN Photo/Gregorio Cunha

Globale Gesamt­ausgaben in Höhe von mehr als 55 Milliarden US-Dollar

Der reguläre Haushalt der Vereinten Nationen mit seinen gut 3,2 Milliarden US-Dollar ist wie ein zentraler Knoten­punkt in einem größeren Geflecht der UN-Finanzen. Zusammen mit dem Haus­halt für die Friedens­missionen trägt er eine wichtige Arbeit der Vereinten Nationen weltweit. Zusätzlich werden allerdings viele weitere bedeutende multi­laterale Aufgaben von anderen Orga­nisationen im UN-System erfüllt. Die meisten von ihnen verfügen über eigene Haus­halte und werden nur zu einem sehr geringen Teil aus dem UN-Haushalt unter­stützt. Nimmt man alle 43 Orga­nisationen und Programme der Vereinten Nationen und ihre Ausgaben zusammen, kommt das UN-System auf globale Gesamt­ausgaben in Höhe von 57 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Das entspricht in etwas der Summe, die in Deutsch­land 2020 für Bau­maßnahmen auf Bundes­straßen und Auto­bahnen ausgegeben wurde.

Ein großer Teil der Aus­gaben entfällt dabei auf die Sonder­orga­nisationen sowie Programme und Spezial­organe der Vereinten Nationen. Sonder­organisationen – wie beispiels­weise die Inter­nationale Arbeits­organisation (ILO) oder die Welt­gesundheits­organisation (WHO) – sind inter­nationale Orga­nisationen, die mit den Vereinten Nationen durch einen Vertrag verbunden sind. Die Programme und Spezial­organe – wie beispiels­weise das Kinder­hilfs­werk der Vereinten Nationen (UNICEF) oder das Umwelt­programm der Vereinten Nationen (UNEP) – sind hingegen an Weisungen der General­versammlung gebunden und verfügen im Unter­schied zu den Sonder­organisa­tionen über keinen eigenen Pflicht­haus­halt.

Im Bereich der globalen Gesund­heit arbeitet beispiels­weise die zum UN-System gehörende WHO mit ihren eigenen Finanzen unter anderem zur Pandemie­eindämmung wie dem welt­weiten COVID-19-Ausbruch. Der Haus­halt der WHO ist zwar im Vergleich zum orden­tlichen UN-Haushalt anders aufgebaut, 2021 ist er aber in etwa ebenso hoch.

Neben den Bereichen Friedens­sicherung und Gesund­heit werden die größten Ausgaben im Bereich der humani­tären Hilfe, zum Beispiel über das Welt­ernährungs­programm (WFP) oder das Amt für die Koordi­nierung humanitärer Ange­legen­heiten (OCHA) sowie zur Unter­stützung der (nach­haltigen) Entwicklung ins­besondere über das UN-Ent­wicklungs­programm (UNDP) getätigt. Die Arbeit der Vereinten Nationen im Bereich Flucht und Migration, die sowohl humanitäre, entwicklungs­politische oder Bildungs­maßnahmen umfasst, wird eben­falls mit großen Ausgaben durch das Hohe Flücht­lings­kommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR), das Hilf­swerk der Vereinten Nationen für Palästina­flücht­linge im Nahen Osten (UNRWA) oder die im Jahr 2016 dem UN-System bei­getretene Inter­nationale Orga­nisation für Migration (IOM) durchgeführt. Ins­gesamt wird dort ein Viel­faches des regulären Haus­halts ausgegeben (siehe Infografik Wie viel Geld fließt in welche Bereiche).

Unterschiedliche Prioritäten des Globalen Nordens und Südens

Die 193 Mitglied­staaten der Vereinten Nationen sind oft unter­schied­licher Auf­fassung, wofür die zur Verfü­gung stehenden Mittel auf­gewendet werden sollen: Der Globale Süden möchte beispiels­weise die Ausgaben für ent­wicklungs­politische Themen erhöhen, während der Globale Norden mehr in Themen wie Sicher­heit und Menschen­rechte inves­tieren will.

So entfällt ein immer größerer Teil des regu­lären Haushalts auf die ‚Beson­deren Politischen Missionen‘, bei denen der Sicherheits­rat eine größere und die Mit­sprache einzelner Staaten des Globalen Südens eine geringere Rolle spielt. Gelder für diese Missionen sind Mittel, die primär für sicher­heits­poli­tische Zwecke aus­gegeben und dann nicht beispiels­weise unmittel­bar in nach­haltige Ent­wicklung investiert werden. Daran zeigt sich der unauf­lösbare Konflikt, dass die wichtigsten geld­gebenden Staaten, die dem Globalen Norden zu­zuzählen sind, andere Ausgaben­prio­ritäten haben als die Staaten, die auf­grund von Ent­wicklungs­programmen von den Geldern profi­tieren.