Menü

Stellungnahme zur Bedeutung des Wahlergebnisses in den USA

Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in den USA kommentiert der DGVN-Vorsitzende Dr. Ekkehard Griep.

Dr. E. Griep

Für die Vereinten Nationen, vor fast 80 Jahren auf maßgebliche Initiative der USA gegründet, dürfte nach dem Trump-Sieg der Wind aus Washington rauer wehen. Zu erwarten ist eine Schwächung, wenn nicht Abkehr von der multilateralen Grundhaltung der Biden-Administration. Der amerikanische Rückzug während “Trump I”  u.a. aus der WHO, der UNESCO und dem Pariser Klimaabkommen deutet eine mögliche Richtung an. 

Allerdings: trotz mancher unilateraler Schritte haben sich die USA während der ersten Trump-Administration (2017-2021) nicht vollständig aus den Vereinten Nationen zurückgezogen oder die Organisation insgesamt in Frage gestellt: Dort, wo es amerikanischen Interessen diente, haben sich die USA auch seinerzeit im UN-System stark engagiert, etwa durch die Übernahme der Spitzenpositionen bei WFP und UNICEF. 

Hier könnte ein Anknüpfungspunkt auch für die nächsten Jahre liegen: gemeinsame UN-politische Interessen und UN-Reformbedarf definieren - und nicht gegen, sondern mit den USA für zukunftsrelevante Vereinte Nationen wirken. In diesem Sinne sollten mit der neuen US-Administration gemeinsame Nenner ausgelotet werden. Denn die globalen Herausforderungen unserer Zeit – etwa Klimawandel, Pandemieprävention, internationaler Terrorismus und die Wahrung von Frieden und Sicherheit – machen nicht an den Grenzen einzelner Staaten oder Kontinente halt. Gebraucht wird mehr multilaterale Kooperation, nicht weniger. Dafür bietet die Charta der Vereinten Nationen nach wie vor eine geeignete Grundlage. 

Ein radikaler Rückzug der USA, des mit Abstand größten Beitragszahlers der Vereinten Nationen und Gastgebernation des UN-Hauptquartiers in New York, hätte hingegen dramatische Folgen für die Vereinten Nationen insgesamt wie für die unerlässliche Umsetzung ihrer wichtigen Aufgaben. Politisch und finanziell ist ein solches Szenario nicht wünschenswert. Es gäbe andere. Bessere.


Das könnte Sie auch interessieren


  • UN-Finanzierung: China überholt Japan

    13.02.2019
    Der Anteil Chinas an der Finanzierung der Vereinten Nationen ist in den letzten zehn Jahren rasant gestiegen. Mit dem jüngsten Budget übernimmt China nun 12 Prozent der Pflichtbeiträge und überholt Japan, den langjährigen Zweiten. mehr

  • Foto: UN Photo/Rick Bajornas

    Liquiditätskrise der Vereinten Nationen

    09.10.2019
    In einem Schreiben warnt UN-Generalsekretär António Guterres vor der schlimmsten finanziellen Krise der Vereinten Nationen seit zehn Jahren. Bis Ende des Monates seien die Liquiditätsreserven aufgebraucht, Personal könnte dann nicht mehr bezahlt… mehr

  • Fatou Bom Bensouda ist seit die Chefanklägerin beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.

    Der Hegemon und das Völkerrecht – Die USA drohen dem Internationalen Strafgerichtshof

    25.03.2019
    Die USA stellen die Erteilung von Visa für Mitarbeiter des Internationalen Strafgerichtshofs ein und drohen mit Sanktionen. Sie fordern die Einstellung der Vorermittlungen gegen US-Bürger und Israel. Diese Nötigungsversuche dürfen keinen Erfolg… mehr