Wie funktionieren die UN-Finanzen?
Bei den Vereinten Nationen gibt es zwei wesentliche Haushalte: den ordentlichen Haushalt, der insbesondere die Erfüllung der Daueraufgaben ermöglicht und den Haushalt für die UN-Friedensmissionen beziehungsweise friedenserhaltenden Missionen (Peacekeeping Missions). Daneben wird ein Großteil der Arbeit des UN-Systems durch freiwillige Mittel finanziert, die eine kleine Zahl von Mitgliedsstaaten bereitstellen.

Der ordentliche oder "reguläre" UN-Haushalt sorgt für die Deckung der laufenden Kosten. Für 2025 wurde er in Höhe von 3,72 Milliarden US-Dollar beschlossen. Allerdings fehlen im Jahr 2025 vor allem wegen ausbleibender Zahlungen der Vereinigten Staaten über 20 Prozent dieser Mittel, so dass geschätzt 600 Millionen US-Dollar weniger ausgegeben werden können als geplant.
Zu den Mitteln aus diesem regulären Haushalt gehören unter anderem Personalkosten, Ausgaben für die UN-Amtssitze und Kosten für die Durchführung der "Besonderen Politischen Missionen" (SPMs). Die Haushalte für reguläre Mittel und für Friedensmissionen werden größtenteils aus den sogenannten Pflichtbeiträgen finanziert. Das sind Mitgliedsbeiträge der UN-Mitgliedstaaten, die anhand eines Beitragsschlüssels alle drei Jahre neu berechnet werden, und durch freiwillige Beiträge ergänzt.
Für die Friedensmissionen wird pro Jahr insgesamt mehr budgetiert als für den ordentlichen Haushalt, auch wenn die Höhe in den letzten Jahren gesunken ist, weil Missionen beendet oder verkleinert wurden. Waren die Pflichtbeiträge für die Friedensmissionen in der Haushaltsperiode 2023/24 noch mit 6,1 Millarden US-Dollar angesetzt, sind für den Zeitraum von Juli 2025 bis Juni 2026 nur noch 5,4 Milliarden US-Dollar vorgesehen.
Die Wahrheit ist aber auch, dass die Arbeit der Vereinten Nationen insgesamt, insbesondere in den Bereichen der Ausgaben für nachhaltige Entwicklung, humanitäre Hilfe, oder Gesundheit, ohne zusätzliche freiwillige Mittel nicht funktionieren könnte. 2024 wurden insgesamt 46,8 Milliarden US-Dollar an freiwilligen Mittel ausgegeben, also über zwölfmal mehr als für den regulären Haushalt Pflichtbeiträge bereitstehen müssten.
Dass es sich bei all diesen Zahlen im Vergleich trotzdem um gar nicht so hohe Summen handelt, wird deutlich, wenn man sie beispielsweise mit dem Budget der Stadt New York vergleicht. Im Jahr 2025 betrug deren Haushalt 116 Milliarden US-Dollar.
Pflichtbeiträge der Mitgliedstaaten
Bei der Finanzierung der Vereinten Nationen ist grundsätzlich zwischen Pflichtbeiträgen und freiwilligen Beiträgen zu unterscheiden. Pflichtbeiträge sind Beiträge, die jeder Mitgliedstaat als Mitgliedsbeitrag an den ordentlichen UN-Haushalt, an die Haushalte der Friedensmissionen sowie in den Pflichtteil der regulären Haushalte der UN-Sonderorganisationen und -Programme zahlen muss. Durch die Pflichtbeiträge werden die politischen, sozialen, wirtschaftlichen oder humanitären Mandate finanziert. Dazu gehört unter anderem die Sektion "Politische Angelegenheiten", zu der auch die "Besonderen Politischen Missionen" zählen. Bei diesen Missionen geht es meistens um Konfliktprävention, die Begleitung von Ländern nach einem Konflikt oder die Aufklärung von Verbrechen im Rahmen von Konflikten.
Des Weiteren wird durch die Pflichtbeiträge die Organisation von Sitzungen und Konferenzen finanziert. Diese beiden Sektionen sind kostspielig und machen zusammen etwa ein Drittel des Haushalts aus. Außerdem werden durch die Pflichtbeiträge Personalkosten, Ausgaben für die Amtssitze in New York, Genf, Wien und Nairobi, die Missionen des UN-Generalsekretärs, die Dienste für Dolmetschen und Übersetzung sowie die Erstellung von mandatsbedingten Studien und Berichten gedeckt. Die Beiträge, die jährlich von den Mitgliedstaaten entrichtet werden müssen, werden anhand eines Beitragsschlüssels errechnet.
Die besondere Finanzlage der Friedensmissionen
Bei den Friedensmissionen handelt es sich meist um militärische Operationen mit einer zeitlich eingeschränkten Einsatzdauer, die über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten und bis zu mehreren Jahren laufen können. Die Friedensmissionen werden hauptsächlich durch Pflichtbeiträge und im geringen Maße durch freiwillige Beiträge finanziert. Das ändert sich möglicherweise in der Zukunft. Die in 2025 beschlossene Mission für Haiti soll zum Beispiel überwiegend freiwillig finanziert werden.
Das Personal der Friedensmissionen wird durch die Mitgliedstaaten gestellt. Insbesondere Länder des Globalen Südens stellen dabei Truppen oder ziviles Personal. Diese Staaten erhalten für ihre Auslagen eine Erstattung aus dem Haushalt der UN-Friedensmissionen. Für jede Mission wird ein gesonderter Haushalt durch das UN-Sekretariat aufgestellt. Die Finanzierung gilt dann für eine Periode von sechs Monaten und muss bei Bedarf vom Sicherheitsrat jeweils verlängert werden.
Der Finanzbeitrag, den die Mitgliedstaaten für die Friedensmissionen leisten, wird nach einem Sonderschlüssel berechnet. Die Generalversammlung orientiert sich dabei am regulären Beitrag. Die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats - China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA - zahlen aber aufgrund ihrer besonderen Verantwortung für Frieden und Sicherheit einen höheren Beitrag.
Da die Vereinigten Staaten in 2025 auch bei den Friedensmissionen ihre Pflichtbeiträge bis Anfang Dezember nicht bezahlt hatten, muss etwa ein Viertel der Truppen-Kontingente reduziert werden. Die Truppen-stellenden Ländern bleiben gleichzeitig auf ihren Kosten sitzen.
Freiwillige Beiträge
Freiwillige Beiträge sind zusätzliche Gelder, die UN-Mitgliedstaaten und andere internationale Organisationen an bestimmte Bereiche des UN-Systems vergeben. Es wird zwischen zwei Arten von freiwilligen Beiträgen unterschieden: den Kernbeiträgen, die die jeweiligen UN-Organisationen flexibel und nach Bedarf verwenden dürfen, und den zweckgebundenen Mitteln, die an die Bedingungen des Geldgebers gebunden sind. Ohne die zusätzlichen freiwilligen Beiträge würde das UN-System nicht funktionieren, denn mit den Pflichtbeiträgen allein könnten viele wichtige Aufgaben – insbesondere in den Einsatzorten der UN-Sonderorganisationen und -Programme – nicht durchgeführt werden. Beispielsweise setzen sich 99 Prozent der Einnahmen des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR), die im Jahr 2024 circa 4,7 Milliarden US-Dollar betrugen, aus freiwilligen Beiträgen und Privatspenden zusammen. Auch die Aktivitäten der UN-Sonderorganisationen und -Programme, wie dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) oder der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden hauptsächlich über freiwillige Beiträge und Spenden finanziert.
Die Finanzkrise der Vereinten Nationen
Die Finanzkrise der Vereinten Nationen ist eine doppelte Krise: Sie ist eine Liquiditätskrise und eine Krise durch massive Kürzung von freiwilligen Geldern für die Arbeit des UN-Systems. Die Lage und Vorausschau bei der Liquidität war im Herbst 2025 so drastisch, dass UN-Generalsekrät Guterres für 2026 eine mögliche Zahlungsunfähigkeit angekündgit hat.
Die Liquiditätskrise ist in erster Linie durch die USA verursacht. Die US-Regierung unter Donald Trump weigert sich, ihre Pflichtbeiträge für den regulären Haushalt und die Friedensmissionen zu bezahlen. Ähnlich verhält sich bei anderen UN-Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) oder der Internationalen Abeitsorganisation (ILO), wo die USA ebenfalls ihre Pflichtbeiträge nicht bezahlt und teilweise auch den Austritt angekündigt haben. Insgesamt schuldeten die USA im Herbst 2025 den Vereinten Nationen und ihren Sonderorganisationen mehrere Milliarden US-Dollar für die Jahre 2024 und 2025. Gleichzeitig hat China in den Jahren 2024 und 2025 seine Pflichtbeiträge auch erst spät im Jahr vollständig bezahlt und die Krise dadurch noch verschärft.
Da die entsprechenden Haushalte von UN, ILO oder UNESCO von allen Mitgliedstaaten verabschiedet sind, fehlen 20 bis 30 Prozent der Mittel ('Liquidität'), um die beschlossenen Aufgaben umzusetzen. So musste der UN-Generalsekretär bereits Anfang 2025 seiner Verwaltung mitteilen, dass sie statt 3,72 Milliarden US-Dollar nur 3,1 Milliarden US-Dollar ausgeben durfte. Das wurde insbesondere dadurch erreicht, dass frei werdende Stellen nicht mit neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besetzt werden durften ('Vakanzen'). Laut Aussage von Guterres im UN-Haushaltsausschuss (der “Fünfte Ausschuss” der UN-Generalversammlung) waren das im November 2025 schon etwa 18 Prozent aller Stellen.
Gleichzeitig zu dieser Liquiditätskrise haben die USA, aber auch viele andere Geldgeber von freiwilligen Mitteln wie Deutschland oder Großbritannien, ihre Zahlungen an das UN-System gekürzt. Dadurch fehlen dem gesamten UN-System im Vergleich zu 2024 etwa 25 Prozent der Mittel, obwohl die Zahl der Krisen oder die Erwartungen für Investionen in nachhaltige Entwicklung, globale Gesundheit oder Klimaschutz nicht gesunken sind. Im Laufe von 2025 wurden deshalbe zehntausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im ganzen UN-System entlassen, Projekte wurden eingestellt, und dringend benötigte Hilfslieferungen wurden reduziert.
Ist das die erste Finanzkrise der Vereinten Nationen?
Die kurze Antwort ist: Nein. Liquidätskrisen gab es seit Gründung der UN fast in jedem Jahrzehnt. In den 1960ern wollten Frankreich und die Sowjetunion keine Pflichtbeiträge für die damals noch neuen Friedensmissionen im Kongo und in Ägypten bezahlen. Damals haben die Vereinten Nationen sogar Schulden aufnehmen müssen, um weiterarbeiten zu können. Dies ist eigentlich nicht vorgesehen. In den 1980ern unter Präsident Ronald Reagan haben die USA schon einmal einen Großteil ihrer Pflichtbeiträge nicht bezahlt, sind aus der UNESCO ausgetreten und haben Refomen und Stellenkürzungen durchgesetzt. Die Arbeit des Preisträgers des DGVN-Dissertationspreises 2025, Tim Heinkelmann-Wild, zeichnet diese Geschichte insbesondere auf Seiten der USA, detailliert nach.
Gleichzeitig ist das Jahr 2025 aber auch eine Zäsur, weil die Finanz- und Liquidätskrise in sehr kurzer Zeit das gesamte UN-System über alle Arbeitsbereiche hinweg erfasst hat. Das genaue Ausmaß der Kürzungen wird erst im Laufe des Jahres 2026 sichtbar werden. Es ist aber klar, dass diese Finanzkrise die Vereinten Nationen für die nächsten Jahre prägen wird, in New York und Genf genauso wie auf der Länderebene weltweit.



